Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Der Streit um Thessalonich.

Mehrere Wochen waren seit der Krönung des Kaisers ins Land gegangen; auch der Patriarch war inzwischen gewählt. Da erst be- gann man mit der Teilung der Kriegsbeuté ¹). Vielleicht war es Ab- sicht, dals man so lange damit zögerte. Vielleicht hoffte man, die Heeresmasse so am besten zusammenzuhalten. Auch hier zeigten sich wieder der weltliche Charakter und die rohen Instinkte dieses Zuges. Den Geistlichen hatte man wohl nur einen Anteil an dem im Quar- tiere des Bischofs von Troyes, Garnier de Trainel, gesammelten Re- liquienschatz zugedacht²). Von der eigentlichen Kriegsbeute sollten sie ihrem Beruf entsprechend ausgeschlossen bleiben. Allein diese Herren waren anderer Meinung.Wie, rief Alliaume de Clari, unseres Berichterstatters Bruder, in einer Versammlung,habe ich nicht mit Pferd und Halsberg gestritten wie jeder andere? Habe ich nicht mehr geleistet als mancher Ritter? Man mulste ihm das zu- geben; der Graf von St. Paul trat besonders für ihn ein, und so er- hielt auch jeder Geistliche seinen Anteil).

Bekanntlich war die Beute in drei Kirchen unter Aufsicht zu- verlässiger Franken und Venetianer gesammelt worden, und wenn auch viel entwendet sein mochte, so war doch eine erhebliche Menge an Edelmetallen, Pretiosen und kostbaren Stoffen zusammengekommen). Nach Clari schied man hiervon zunächst das grobe Silber aus. Man benutzte die silbernen Kohlenöfen, welche die griechischen Damen in die Bäder mitzunehmen pflegten, um selbst den Weibern und Kin- dern des Heeres, kurz jedem Teilnehmer am Zuge ein Beutestück zukommen zu lassen. Nach dem Geldeswert ergab sich dabei folgen- des Verhältnis, dafs jeder Ritter 20, jeder berittene Knappe und Geistliche 10 und jeder Kämpfer zu Fuls 5 Mark aus der Beute er-

¹) So Davast. 92; nach Clari 75 und Dand. 292 fand die Teilung gleich nach der Krönung statt.

²) Nach Garniers Tode(14. April 1205) im Hause des Bischofs von Soissons: Riant, Ex. I p. XXIX u. XLII; Bouchet II 374 gibt ein falsches Datum; die Quelle ist Canon. anonym. Lingon. bei Riant I 2829.

³) Clari 75. Die Beziehungen St. Pauls zu den Clari bei Klimke 6 ff.

4) Vill. 148, 172; Bald. Aven. 356; Clari 64.

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