Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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um die venetianische Hülfe der Kreuzzugsunternehmung zu bewahren. Es ist fast rührend, wie Innocenz hier auf den Dogen einzuwirken und ihn durch Schmeicheleien und Drohungen seinem Gelübde zu er- halten sucht.

Doch genug. Wir sehen, die zwei prinzipiellen Fragen der Patri- archenwahl und der griechischen Kirchengüter hatten eine vorläufige Erledigung gefunden. So bieten denn auch die päpstlichen Schreiben vom 8. Februar 1205, die an den Kaiser, den Dogen und den Vize- dogen, sowie an die weltlichen und geistlichen Führer des Heeres ge- richtet waren, nichts Neues, sondern waren nur bestimmt, die ge- troffene Entscheidung zu allgemeiner Kenntnis zu bringen ¹). Bald handelte es sich nur noch um die Erledigung praktischer Geschäfte. Am 5. März wurde Thomas Morosini zum Diakon, am 26. zum Priester, endlich am folgenden Tage, Sonntag, den 27. März, feierlich in der Peterskirche zum Bischof geweiht. Am 30. März erhielt er, nachdem er vorher den Obedienzeid geleistet hatte, das Pallium. Sein Stuhl wurde mit besonderen Vorrechten ausgestattet: als Patriarch galt er als Stellvertreter des Papstes und hatte den ihm untergebenen Erz- bischöfen das Pallium zu verleihen; überall, nur nicht in Rom und wo der Papst gerade weilte, durfte er sich das Kreuz vorantragen lassen; bei Prozessionen durfte er auf einem Pferde mit lang herab- wallender Decke reiten*²).

Nach Erledigung dieser Geschäfte reiste Morosini ab. Ein Em- pfehlungsbrief begleitete ihn nach Venedig und Konstantinopel*). Innocenz konnte sich sagen, daſs Grofses erreicht worden sei. Mit, und wider des Papstes Willen hatte das Geschick in wechselvollem Spiel den alten Traum der Kurie von der Wiedervereinigung der beiden Kirchen zur Wahrheit gemacht).

¹) Inn. III epp. VII 208 bei T u Th I 532; Schreiben an den Vizedogen ebenda 534.

²) Cogg. bei Bouq. 103; Gesta Inn. III c. 98 bei Baluze I 60; Inn. III epp. VIII 19 bei Tu Th I 539. Wilken 341 hat die Daten fälschlich fürs Jahr 1204 berechnet. Vgl. Güldner 45; Rattinger II 17.

³) Innocenz an den Vizedogen, 30. 3. 1205, bei Tu Th I 538.

4) Neuere Darstellungen der Patriarchenwahl: Duc. I 32; Maimbourg 255; Le Beau XX 541; Gibb. 415; Michaud 127; Wilken 330; Sporschil 436; Hurter I 664; Raumer 83; Medovikov 26; Stamatiades 54; Romanin 181; Krause 77; Paparrh. IV 739; Finlay 102; Hopf 200; Kalligas 50; Kugler 284; Hertzberg I 413; Bouchet II 220; Pears 383; Ranke 291; Lindner 233; Güldner 44; Manfroni, Marina italiana, 339. Auch Mas Latrie in Revue de l'Orient latin III 433.