Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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sei. Im übrigen aber war der Brief ungemein wohlwollend gehalten, und denselben Geist atmet das Schreiben, mit dem sich der Papst einige Tage später(13. November) an die Kleriker des Heeres wandté ¹).

Energischer trat Innocenz erst nach einem Monat auf. Am 7. Dezember richtete er an dieselben Kleriker ein neues Schreiben ²). Der Inhalt könnte uns überraschen. War der Papst wirklich noch ohne Nachricht von dem, was inzwischen in Konstantinopel geschehen war? Oder ahnte er das Geschehene, und kam es ihm darauf an, seine Ansicht vor jeder weiteren Verhandlung klar zur Erkenntnis zu bringen? Genug, der Brief forderte, und zwar von sämtlichen Geistlichen zu Konstantinopel ohne Rücksicht auf Vaterland und Nation, die Vornahme einer Patriarchenwahl. Es war die Versicherung hin- zugefügt, daſs diese, wenn sie kanonisch vollzogen sei, durch einen päpstlichen Legaten alsbald die Bestätigung finden würde.

Das aber war gerade der strittige Punkt. Die Wahl war in- zwischen dem Märzvertrag entsprechend vorgenommen worden. Ob sie freilich kanonisch sei, darüber waren die Ansichten sehr geteilt. Jedenfalls hatten sich die nicht venetianischen Kleriker schon im Beginn dieser Ereignisse mit einer Beschwerde nach Rom gewandt). Sie hatten freilich die Dinge nicht aufhalten können. Schon bald nach Balduins Krönung hatten sich die Venetianer in Besitz der Sophienkirche gesetzt. Dann waren von den venetianischen Klerikern 13 Kanoniker, natürlich sämtlich Venetianer, ernannt worden. Diese wählten ihren Landsmann Thomas Morosini einstimmig zum Patri- archen4). Der war noch ziemlich jung, doch von vornehmer Her- kunft*). Er war erst zum Subdiakon, noch nicht zum Priester ge- weiht, und wenn wir auch die bissigen Bemerkungen des Griechen Niketas) nicht gutheiſsen wollen, so schien er doch durch besondere geistige Anlagen nicht ausgezeichnet zu sein. Morosini befand sich zur Zeit seiner Wahl in Italien; er nahm sie an und begab sich mit

¹) VII 154 ebenda 518.

²) VII 164 ebenda 519.

²) Innocenz schob später die Appellation einfach bei Seite(T u Th I 528 u. 536).

) Devast. 92; Tu Th 527 u. 536; Gesta Inn. III c. 96 bei Baluze I 59; Pip. 619; Auctor Ambian. in MGH. SS. VIII 474; Can. 338; Dand. 292; Mon. 140 u. 142; San. 530; Nav. 985. Die Namen der Kanoniker bei T u Th I 547.

) Cogg. bei Boud. 103 macht ihn zum Bruder des Dogen. S. Hurter I 664.

) Nik. 854. Vgl. Dräseke, Ztschr. f. Kirchengesch. XVIII 549; Wilken 332; Pichler 315.