Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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zweites Schreiben ¹). Er berief sich darin auf den ersten Brief, in dem er ausführlich über die bisherigen Ereignisse berichtet habe. Vor allem aber fügte er eine Abschrift des Märzvertrages bei. Doch damit nicht genug. Er veranlafste Bonifaz, Blois und St. Paul sich schriftlich an den Papst zu wenden*). Sogar der Doge trat jetzt aus seinem Schweigen hervor).

Ob er sich damit einem Wunsche Balduins fügte, wissen wir nicht. Jedenfalls ging Dandolo auch hier durchaus seine eigenen politischen Wege. Der Kaiser hatte es für gut befunden, am Schlusse seines zweiten Briefes die Venetianer noch dringender als früher zu empfehlen und auf ihre Unentbehrlichkeit hinzuweisen. Dandolo fügte seinem von stolzem Selbstbewufstsein getragenen Brief gleich eine Drohung hinzu. Allerdings wagte er diese nur mündlich auszu- sprechen. In seinem Brief bat er Innocenz, alle weiteren Wünsche aus dem Munde seiner Gesandten, seines Neffen Leonardo Navigaioso und des Andrea da Molino, entgegenzunehmen und ihnen ein ge- neigtes Ohr zu schenken. Diese Wünsche betrafen aber nichts anderes als Lösung vom Kreuzzugsversprechen). Motiviert war das mit dem hohen Alter des Bittenden; tatsächlich steckte eine Drohung dahinter, die durch des Kaisers Brief noch wirksamer gemacht wurde. Innocenz konnte sich dem Eindruck nicht verschlielsen, dafs Dandolo und die Venetianer für den Fortgang der Dinge im Orient einfach nicht zu entbehren seien.

Dfeser schwierigen Lage hat der Papst in seiner Weise Rech- nung getragen. Den Dogen liels er zunächst ohne Antwort. Den Märzvertrag ignorierte er. Balduin sollte wohl annehmen, daſs das zweite Schreiben mit der Abschrift dieses Vertrages noch nicht in seine Hand gelangt sei. Denn Innocenz richtete sein Schreiben es ist vom 7. November datiert so ein, daſs er anscheinend nur den ersten kaiserlichen Brief beantwortete?). Erst in den Schlufsworten lieſs er seine Ansicht über die Kirchengüter durchblicken und gab damit zu verstehen, welcher Widerstand von seiner Seite zu erwarten

¹) Inn. III epp. VII 201 bei Tu Th 1 520; hier wie bei Rayn. a. 1205§ 1 irrig ins Jahr 1205 gesetzt. Vgl. auch Güldner 41.

²) TuTh I 527 u. 536.

3) Inn. III epp. VII 202 bei Tu Th I 521(auch falsch datiert); Gesta c. 97 bei Baluze I 60.

4) Tu Th I 531.

³) Inn. III epp. VII 153 bei Tu Th I 516.