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weltlichem Gut nur das zu einer anständigen Lebensführung Not- wendige gelassen, alles übrige aber eingezogen werden solle.
Auf welche Seite sollte sich nun Balduin in diesem Widerstreit der Meinungen stellen? Von den Venetianern fühlte er sich vollständig abhängig. War er doch nur durch Dandolo auf den Thron gekommen; schien er sich doch nur mit dessen Unterstützung gegen Bonifaz behaup- ten zu können! Andrerseits aber war auch die Hülfe der Kurie nicht zu entbehren. Denn nur der Papst konnte durch Ablafs und geist- lichen Zuspruch den Auswandererstrom lenken und damit den be- ständigen Zugang an neuen Kräften herbeiführen, ohne den die abend- ländischen Staaten im Orient überhaupt nicht bestehen konnten. Auch materielle Unterstützung durch Gewährung von Kreuzzugszehnten war nur von Rom zu erwarten. Kein Wunder also, wenn Balduin sein Verhältnis zu Innocenz möglichst freundlich zu gestalten trachtete.
Unter diesen Umständen war die Abfassung des Schreibens), durch welches der neue Kaiser dem Papst seine Standeserhöhung mitteilen wollte, keine leichte Aufgabe. In mancher Hinsicht hat sich Balduin und seine Umgebung derselben nicht ohne Geschick zu entledigen gewufst. Alles, was für die Eroberung von Konstantinopel und die Errichtung des lateinischen Kaiserreiches in Papst Innocenz' Augen sprechen konnte, war hier zusammengestellt: Der wunderbare Beistand Gottes, der Glaubenshafs der schismatischen Griechen, die Aussicht auf eine Union, die Unterstützung, die dem hl. Lande von Byzanz her zukommen konnte, selbst eine Aufforderung an Innocenz, die Unionsverhandlungen in Konstantinopel persönlich zu leiten, das
¹) Bei Potthast, Bibl. hist. 132 nur kurz erwähnt. Darum hier folgende mir bekannte Nachweise: Inn. III epp. VII 152 bei Bréquigny II 570; in Gesta Inn. III c. 91 bei Baluze I 52; Tu Th I 501; Bouq. XVIII 524; Duchesne, Hist. Franc. script. V 797; gekürzt bei Rayn. ann. eccl. a. 1204§ 16—18(vgl.§ 19); fragmentarisch bei Alberich 882. Der Brief wurde auch für ein Rundschreiben benutzt(vgl. Cogg. 453): Arnoldi Chron. Slav.(MGH.§S. XXI 226); Miraeus, Opera diplom. et hist., ed. Foppens I 110; Reusner, Epist. Turcicae I 24; Duchesne V 278; Boud. 520. Be- sondere Schreiben sind erhalten an das Kapitel von Citeaux(Outreman 712; Buchon, Rech. et mat. II 102 und ebenfalls bei Bouquet); an Erzbischof Adolf von Köln (Freherus, Germanic. rer. scriptores I 271; in den Ann. Colon. maximi, MG. 88. XVII 815); an die Bischöfe von Cambray, Arras, Boulogne und Tournay(Mart. et Dur., Thes. nov. I 791); dals Balduin auch an den Kaiser des Westens geschrieben habe— hier könnte nur Otto IV. in Betracht kommen— behaupten Hurter 1 662 und natürlich wieder Pears 380. Mir ist ein solches Schreiben nicht bekannt.— Vgl. auch Simonsfeld, Ein Bericht über die Proberung von Byzanz im J. 1204 (Abhandl. Wilh. v. Christ zum 60. Geburtstag dargebracht, München 1891) S. 67.


