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Von dort geleiteten sie Balduin zur Sophienkirche. Man führte ihn in einen Seitenraum und lieſs ihn entkleiden. Dann legte man ihm Hosen von rotem Samt und rote mit Edelsteinen besetzte Saffianstiefel an. Ein prachtvoller Leibrock, mit goldenen Knöpfen vorn und hinten besetzt, reichte von den Schultern bis zum Gürtel. Darüber kam das Pallium, eine Art Mantel, vorn bis auf die Knöchel reichend, hinten mit so langer Schleppe, daſs er sie um den Leib und dann noch über den linken Arm, wie ein Fähnlein, schlagen konnte. Sie war gar reich und vornehm und mit Edelsteinen überladen. Dann hängte man ihm einen kostbaren, mit Edelsteinen bedeckten Kaiser- mantel um; die Adler, welche auf demselben angebracht waren, be- standen aus Juwelen und glänzten so, dals der Mantel zu leuchten schien. Nachdem man ihn also bekleidet hatte, führte man ihn vor den Altar. Graf Ludwig von Blois trug das kaiserliche Banner, Hugo von St. Paul das Reichsschwert, Bonifaz die Krone ¹). Zwei Bischöfe stützten Bonifazens Arme, zwei andere schritten dem Kaiser zur Seite, dazu viele Barone, gar reich gekleidet. Da war kein Franzose oder Venetianer, der nicht ein Gewand von Samt oder Seidenstoff getragen hätte. Nun nahm man Balduin zunächst Mantel und Pallium ab und knöpfte den Leibrock vorn und hinten auf, so daſs er vom Haupt bis zum Gürtel ganz blofs war. Es folgte seine Salbung, worauf er wieder vollständig bekleidet wurde. Unterdeſs hielten zwei Bischöfe die Krone auf dem Altar; dann traten die anderen hinzu, nahmen sie, segneten sie und setzten sie ihm auf²). Um den Hals hing man ihm eine Kette mit einem gewaltigen Edelstein als Agraffe, den weiland Kaiser Manuel für 62000 Mark gekauft hatte. Nach der Krönung führte man den Kaiser auf einen in der Kirche aufgestellten Thronsessel, und auf diesem blieb er, während die Messe gesungen wurde, sitzen, in der Rechten das Szepter, in der Linken den Reichsapfel mit dem Kreuze.
Nach abgehaltener Messe führte man Balduin ein weiſses Roſs vor, er schwang sich darauf, und alle Barone folgten ihm in den Bukoleon, wo die eigentliche Thronbesteiguug stattfinden sollte. Er setzte sich auf den Stuhl Konstantins, und von dem Augenblicke an galt er in aller Augen als legitimer Herr; alle anwesenden Griechen
¹) So Clari; etwas abweichend Alberich. ²) So Clari, auch An. Suess. bei Riant, Ex. I7: Nivelon. Also kann von Krönung durch einen päpstlichen Legaten an Stelle des Patriarchen nicht die Rede sein. So Le Beau XX 532; Gibbon 415; Mich. 124; Stamatiades 51; Pears 376. Vgl. auch Le Beau XXI 9 u. Buchholz 323.


