Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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erst um Mitternacht erfolgte die Verkündigung ans Volk⁴). Dicht. gedrängt stand das Heer um den Palast, in dem der Doge mit den Baronen der Entscheidung harrte. Hierher begaben sich die Wähler nach erfolgter Wahl, und dann trat Bischof Nivelon von Soissons, den man zum Sprecher erwählt hatte, hervor und verkündete das Resultat. Bei den Franzosen und Venetianern erscholl lauter Jubel, auf der Gegenseite erweckte die Nachricht bittern Ingrimm ²). Der Markgraf bezwang sich sehr rasch; er erwies dem Kaiser die not- wendigen Ehren. Noch in derselben Nacht geleitete man Balduin zur Kirche, wo ein Dankgottesdienst gehalten wurde; dann ging es zum Bukoleon, den Balduin zu seiner Residenz erwählt hatte. Die Krönung wurde auf den nächsten Sonntag, Jubilate(16. Mai), fest- gesetzt ³).

In die Woche zwischen Wahl und Krönung fiel noch ein frohes und ein trauriges Ereignis. Einmal starb ein tapferer Mitstreiter, Odo von Champlitte aus Burgund⁴). Er war der Bruder des späteren Beherrschers des Peloponnes, Wilhelm von Champlitte, und wurde in der Apostelkirche beigesetzt. In derselben Zeit aber wurde die Hochzeit zwischen dem Markgrafen Bonifaz und der Kaiserin-Witwe Margarethe von Ungarn gefeiert).

Die Krönung selbst ging am festgesetzten Tage mit unerhörtem Glanz vor sich. Welchen Eindruck die Feierlichkeiten auf naive Gemüter machten, tritt uns am besten in dem köstlichen Bericht Claris entgegen⁰). Da sah man schon am frühen Morgen die Bischöfe und Abte, die fränkischen Barone und die venetianischen Nobili ihre Rosse besteigen und in feierlichem Aufzuge zum Bukoleon reiten.

¹) Nivelon sagt bei Vill. 154, 180 feierlich: Et nos le nomerons en l'eure

que Diex fu nez. Die Erklärung bei D'Outreman 247. Vgl. Wilk. 326; Hurter I 659. ») Den Widerspruch erwähnt nur Clari, nicht Vill.; Moeser 174:Damit dieser

hehre Augenblick nicht getrübt erscheine.

³) Vill. a. a. O.; Clari 73; Tu Th 1 508; Chr. v. M. fr. 20 21, gr. 37, it. 419.

¹) Bouchet II 356 und 368.

) Vill. a. a. O., Clari 76, Bald. Aven. 357, Akrop. 13, Nik. 792, Muralt 282. Die Zeitbestimmung nach Vill. Margarethe, bei den Griechen Maria, war die Tochter des Königs Bela III. von Ungarn, die Witwe Isaaks II. Angelos und die Mutter des jungen Manuel Angelos.

) Clari 73 ff.; daneben Vill., Alberich 884, Tu Th I 508. Die Beschreibung bei D'OQutreman 247 fl. ist mit Benutzung nicht hierher gehörender Materialien phan- tasievoll ausgeschmückt; s. Brightman, Byz. imperial coronations, Journal of theo- gical studies II 1901, S. 387. Für das Technische s. auch Sickel, Byz. Zs. VII 511ff.