Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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sondert haben.Ohne Zweifel, meint Villehardouin¹)mochte gar manchen nach solchem Reiche gelüsten, aber von Anfang an traten diese beiden Kandidaten allein aus der Masse hervor. Die Sache selbst schien es zu fordern), dafs nur der Anführer des Heeres und der Vornehmste der französischen Grafen²) in Erwägung gezogen wurden. 3

Die Aussichten dieser beiden lieſsen sich verschieden beurteilen. Hätte es sich nur um Popularität gehandelt, so würde der Mark- graf vielleicht im Vorteil gewesen sein; seine Freigebigkeit hatte ihm bei den Franken, seine Beziehungen zum byzantinischen Kaiser- hause bei den Griechen Sympathien erworben. Der nationale Gegen- satz im Pilgerheere hatte ihm die Lombarden und die Deutschen in die Arme getrieben; und auch aus persönlicher Zuneigung war ihm ein einflufsreicher Mann im Heere dieser sogar ein Franzose

Marschall Gottfried von Villehardouin, zugetan.

Allein auch damals entschieden die führenden Personen die politi- schen Geschäfte. Hier kam es nun vor allem auf Heinrich Dandolo an. Der politische Scharfsinn des greisen Dogen ist so vielfach ge- priesen worden; Klugheit, feine Benutzung der Umstände und Cha- raktere wird man ihm wenigstens nicht absprechen dürfen. Er selbst kam ja als Bewerber um die Kaiserkrone nicht ernstlich in Betracht; er war aber auch nicht gewillt, dem Führer des Zuges den letzten, höchsten Gewinn zukommen zu lassen. Dandolo selbst soll es ge- wesen sein, der die Augen auf Balduin lenkte).

Die politischen Verhältnisse drängten auf diesen Ausweg. Die Montferrat standen schon seit längerer Zeit in Beziehung zu Byzanz. 2s war nicht ausgeschlossen, dafs sie im Osten fester einwurzelten und eine Herrschaft errichteten, die in der Hand eines italienischen Fürsten den Venetianern unbequem werden konnte?). Bei einem Grafen des Nordens kamen diese Bedenken weniger in Betracht. Zudem bot der junge Balduin wenigstens für seine Person die Garantie, daſs man mit dem neuen Kaisertum werde auskommen können. Denn das pleibt sicher: Balduins treffliche Charaktereigenschaften, seine reine,

¹) Vill. 150, 176.

2) Gunther 109, 456.

³) Gibbon 414; Le Beau XX 530; Hurter I 658; Stamatiades 46.

) Alberich 884; Niketas 789.

³) Nik. 789 trotz mancher Miſsverständnisse sehr richtig. Pears 367 ff. ist hier ganz phantastisch.