Aufsatz 
Altertümer aus Waldeck und Pyrmont /Hermann Genthe
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zweite(a. a. O. Fig. 3) einen Hasen, die dritte(Fig. 9) eine phantastische Gestalt, die wohl mit Rücksicht auf den geringelten Schwanz und den stark hervorgehobenen gesträubten Rücken mit Recht als Eber bezeichnet ist, während ich nicht absehe, warum die vierte (Fig. 6) von Ludwig a. a. O. S. 55 als Wolf aufgefasst ist. Das kurzschwanzige Thier wendet den Kopf rückwärts. Es fehlt jeder für die Gestalt eines Wolfes characteristi- sche Zug. Einen Hund in ihm zu erblicken wäre viel eher möglich.

Die Schöpfkelle(e), aus hellgoldiger Bronze(vergoldet, wie v. Olfers a. a. O. 247 meint, ist weder sie, noch der kleine Löffel, noch irgendwelche der Fibeln) besteht aus einer flachen, leicht geschweiften, c. 3 Mm. dicken, 3 Cm. breiten, 5 Cm. langen Handhabe und dem eigentlichen Löffel, welcher oben 10,5 Cm., in der grössten Ausbauchung 11,7 Cm., am flachen Boden 7 Cw. Durchmesser und 6,5 Cm. Tiefe hat. Sowohl der Mantel des eigentlichen Löffels wie die Oberseite des Griffes sind reich à champ levé verziert. Die erhabenen Lineamente des Metalls bilden auf dem Mantel des Löffels sechs mit der Spitze nach oben gerichtete Fünfecke von 5 Cm. Höhe. In der Mitte eines jeden derselben befindet sich ein zweites kleineres Fünfeck von 3 Cm. Höhe. Die Figur eines jeden wird nleht durch eine einfache erhabene Metallinie, sondern durch 2 Parallellinien umgrenat, die 1,5 M. von einander entfernt sind. Das Innere der kleineren Fünfecke und die Zwickel, welche die grösseren nach oben frei lassen, füllen Blattornamente. Ein spiralförmiges Ornament nimmt den Raum zwischen den äusseren und inneren Fünfecken ein. Alle diese Ornamente treten auf dem farbigen Emailgrund, der ihnen gegeben ist, doppelt wirkungsvoll hervor. Dieser Grund besteht aus tiefblauem Schmelz; nur die oberen beiden Blätter in den Zwickeln und die unteren beiden Blätter in den kleineren Fünfecken sind roth, während das unterste Blatt der Zwickel und das grosse Mittelblatt der kleineren Fünfecke grün ist. Obwohl aus nicht wenig Feęldern die Schmelzfüllung herausgefallen ist, so lässt sich doch aus den erhaltenen Theilen die genaue Durchführung der angegebenen Verzierung mit Sicherheit abnehmen. Ob aber die Handhabe ebenfalls mit rothen und grünen Blättern auf blauem Grunde verziert war, kann man nicht mehr feststellen, da die Schmelzfüllung bis auf wenige, an beiden Enden befindliche Reste zerstört ist. Diese Reste aber zeigen nur den blauen Grund. Innerhalb der aus fünf Blättern und einer Rosette bestehenden Ornamente der Oberseite kann man keine Spur von Schmelz mehr erkennen. Was die Technik anlangt, mache ich auf das von den bisherigen Beschreibern übersehene Verfahren aufmerksam, vermöge dessen zum besseren Festhalten der Emailmasse der Oberrand des Mantels und die Innenseiten der Fünfecke mit sägeförmig fein gezahnten Ausschnitten versehen worden sind.

Der kleine Löffel(f), von welchem es zwar feststeht, dass er an derselben Stelle aus dem Schlamme des Brodelbrunnens herausgeschöpft wurde, aber nicht, ob er unmittelbar neben den Münzen und Fibeln gelegen hat, misst 16,5 Cm. und besteht aus gleicher Bronze wie die grosse Kelle. Der schlanke, gut profilierte Stiel läuft in einem Pinienzapfen aus. Der eigentliche Löffel ist sehr flach, fast kreisrund und hat 5 Cm. grössten Durch- messer.

So sehr die Beschaffenheit dieses merkwürdigen Fundes und besonders die der emaillierten Schöpfkelle zu einer eingehenden Untersuchung über antike Emailarbeit auffordert, so wenig