Aufsatz 
Altertümer aus Waldeck und Pyrmont /Hermann Genthe
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Das Geräth bildet jetzt die No. 658 der Antikensammlung im Schlosse zu Arolsen. Vgl. R. Gaedechens, die Antiken des Fürstl. Waldeck. Museums in A. S. 132. Die Schaftnute setzt sich mit einer kräftigen Vertiefung von der Klingenseite ab. Die Länge des Geräthes beträgt 15 Cm., die grösste Breite(Schneide) der Klinge 4 Cm., die geringste 2 Cm., im Uebergang von der Schaftnute zur eigentlichen Klinge 2,5 Cm. An dieser Stelle beträgt die Stärke des Geräthes 2,2 Cm., etwa 2 Cm. von dem Ende der Klinge genau 9 Mm. die Arbeit ist einfach und wenig sorgfältig. Ein Gusszapfen ist nothdürftig abge- feilt. Die Gussnaht ist auf der unteren Schaftbahn ebenfalls noch deutlich sichtbar. Die Klinge ist sichtlich stark gebraucht, aber durch Wetzen geschärft.

2. Feuersteinmesser. Fundort: Wetterburger Forst c. 1 Stunde von Arolsen.Im Frühjahr 1862 warden bei Anlage eines Holzabfuhrweges um den nach dem Ausgange der Kehrwinkelsgrund vorspringenden Rücken des Hammerkopfes(Wetterburger Forst) von den Arbeitern 4 steinerne Messer gefunden. Sie lagen c. 2 ½, unter der Oberfläche des Bo- dens, der sich an dieser Stelle äusserlieh durch keinerlei besondere Merkmale auszeichnete. Zwei waren durchgebrochen, das dritte vollständig erhalten, das vierte ganz zerbröckelt, so dass die Bruchstücke nicht gesammelt werden konnten. 1

Die Messer sind aus Feuerstein sehr künstlich gespalten, haben eine etwas seitwärts ge- bogene Gestalt, an der inneren Seite eine glatte Fläche, während in der Mitte längs der äusseren Seite sich ein flacher Rücken hinzieht. Die Länge beträgt 78(16,5 19 Cm.) Durch Revierförster Steinrück gelangten sie in das Fürstl. Antiken-Kabinet in Arolsen.(Bei- träge zur Geschichte des Fürstenth. I. 3. S. 641).

zu diesem wörtlich angeführten Fundberichte bemerke ich Folgendes. Das Material des einen Messers(a) ist schwärzlicher, das der beiden anderen gelblichbrauner Flintstein. Die Bearbeitung ist ausserordentlich geschickt. Völlige Glättung aller Flächen, Gleichmässigkeit der Klingenbahn, feine Schärfung der Schneide zeichnen alle drei Messer aus. Auch die allmäblich sich verjüngende und und dann verbreiternde Form des abgeplatteten Grates auf der Rücken- seite verdient Beachtung. Die Länge von b. beträgt 22 Cm., die durchschnittliche Breite 2,5 Cm., an der abgebrochenen Spitze 1,7 Cm. Auch c. ist ohne eigentliche Spitze; es misst 22,3 Cm. in die Länge, qurchsehnittlich 3 Cm. in die Breite, an der abgebrochenen Spitze wie b. 1,7 Cm.; die Stärke beträgt an einer Bruchstelle des vordersten Drittels 6 Mm. Das Messer a ist ganz erhalten und misst von der scharf auslaufenden Spitze bis zum Heftende 22,5 Cm.; die Breite beträgt wie bei c. durchschnittlich 3 Cm.

Hinsichtlich des Fundortes macht ein in der Fürstl. Bibliothek aufbewahrtes Gutachten des ver- storbenen Finanzrathes A. Dreves vom 19. Mai 1863 darauf aufmerksam, dass die ganze westliche Seite des Hammerkopfes und des sich nördlich anschliessenden Jungfernkopfes in der absatz- reichen Gestaltung der Oberfläche deutlich erkennen lassen, dass beide Waldreviere vor uralter Zeit und zwar lange fortgesetzt zu Ackerbau benutzt sein müssen, weil sonst die Bildung dieser absatzähnlichen, gradlinig fortlaufenden Raine nicht möglich gewesen sei. Was die Tiefe von c. 0,90 M., in welcher die Messer gefunden sind, anbetreffe, so meint er, es könne die deckende Schicht auch durch jeweiliges Nachsinken des Erdreichs an dem ziemlich stei! nach der Twiste abfallenden Abhange entstanden sein.