Aufsatz 
Die sommerlichen Regengebiete in West- und Mitteleuropa
Entstehung
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Diese Niederschlagskarten wurden dann von mehreren aufeinander folgenden Tagen auf ein Blatt gezeichnet. An diesen Wanderkarten wurden Messungen über das Fortschreiten der Gebiete ausgeführt und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Gebieten untersucht.

2. Die einzelnen Regengebiete und ihre Wetterlagen.

Untersucht man die so gewonnenen Regengebiete näher und vergleicht dann die Gebiete aufeinander folgender Tage, so stößt man regelmäßig auf solche, die in ihren Eigenschaften eine starke Verwandtschaft zeigen. Diese Ahnlichkeit in den Eigenschaften ist meist so bedeutend, daß ein Zusammenhang gar nicht zu verkennen ist.

So hat man am nächsten Tage zumeist ein Regengebiet von ganz ähnlicher Lage. Liegt z. B. ein Gebiet über Schottland, so gibt es am folgenden Tage eins, das die ganzen britischen Inseln bedeckt, und am dritten Tage sind auch noch die Niederlande und YTeile von Frankreich überlagert. Die Gestalt solcher Gebiete ist oft dieselbe, Zipfel, Vorsprünge, Ausbuchtungen treten am nächsten Tage wieder auf. Auch die Regendichten und die Ver- teilung der Niederschläge stehen im Zusammenhang und auch die Zeiten, in welchen der Regen fällt. Dann aber hauptsächlich stehen solche Gebiete in denselben Beziehungen zu demselben System von Depressionen.

Diese innige Ubereinstimmung in den Eigenschaften gibt die Veranlassung, die be- treffenden Regengebiete von mehreren Tagen als dasselbe Gebiet zu betrachten, das mehrere Tage hintereinander auftritt, das wandert und seine Eigenschaften ändert. Damit steht man unmittelbar vor der Aufgabe, eine solche Wanderung der Regengebiete und die Anderung ihrer Eigenschaften zu untersuchen und nach der zugrunde liegenden Gesetz- mäßigkeit zu forschen.

Eine solche Verfolgung der Regengebiete auf ihrer Wanderung durch Europa war in fast allen Fällen einwandfrei möglich, weil gewöhnlich jedes Gebiet durch ein besonderes System von Cyklonen gespeist wurde, mit dessen Wanderung sein eigenes Fortschreiten im innigsten Zusammenhang stand. Sie wurde deshalb in der Hauptsache an den Regen- karten von Europa vorgenommen. Diese wurden mit den täglichen Isobarenkarten der See- warte verglichen, und es wurde der Zusammenhang zwischen dem Zug der Regengebiete und dem der Depressionen festgestellt, was in den meisten Fällen unschwer geschehen konnte.

Aber so leicht sich die Teilminima, die das Regenwetter einleiteten und das Regen- gebiet fortführten, auch oft ohne weiteres aus der Karte herausfinden und auf ihrem Zuge verfolgen ließen, so große Schwierigkeiten bereiteten sie in vielen anderen Fällen. Oft waren sie nur durch ihren Einfluß auf die Windrichtung zu erkennen; dann mußte durch Ein tragung weiterer Daten und Zeichnen von lsobaren in engerem Abstande Klarheit und Sicherheit gewonnen werden. Um sie über mehrere Tage hin zu verfolgen, waren meistens die sorgfältigsten Vergleichungen notwendig, die immer und immer wiederholt werden mußten. Zuweilen war es völlig unmöglich, den Zug mit Sicherheit zu bestimmen. Die dreimaligen täglichen Beobachtungen reichten bei dem raschen Entstehen dieser schwachen Depressionen dazu nicht aus. Die zweifelhaften Fälle sind in der Untersuchung stets als solche gekennzeichnet.

Als Hilfsmittel und zur Kontrolle wurden dabei Karten von Europa(Schema der Seewartenkarte) benutzt, in welchen für jedes Regengebiet die Lage an den verschiedenen