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ſchöpfe, Schöffe, Löffel, löſche, Löwe, zwölf, Gewölbe ſagen, anſtatt ſchwere, ge⸗ wehne u. ſ. w. Denn ſo heißt es im Mittelhochdeutſchen. Aber in dieſen Wörtern iſt es der Lip⸗ penlaut w oder f, meiſt unter Mitwirkung eines l, n, r, wozu in einigen noch ein fernerer Lip⸗ penlaut kommt, der die Annäherung an den Lippenvokal o bewirkt hat; in Hö lle und dörren waren l und r zu dieſer Wirkung genügend; alles analog der engliſchen Annäherung des a an o in zash, war, want, call, also. Nun findet ſich ſchon im Althochdeutſchen sol(ſoll), mohta(neben mahta, mochte), kiwon(gewohnt)(Grimm D. G. I? 79), wo ebenfalls die Liquidae und Lippenlaute Grund der Ver⸗ wandlung eines zu erwartenden a in o ſind. Warum ſoll nun dieſes weniger unorganiſch ſein, als der ganz gleiche neuhochdeutſche Vorgang? warum gewöhnen unorganiſch, und Gewohnheit, wo ſchon das Althochdeutſche das ebenſo entſtandene o hat, nicht? Auch in von, holen, ſtammt das o ſchon aus dem Althochdeutſchen, während es in wo, o hne, Mond, Mohn ſpät mittelhochdeutſch, in Woge, Argwohn,(tatt Argwahn) Brombeere, Thon, ſchwoll u. a. erſt neuhochdeutſch, aber wie man ſieht, immer in Folge derſelben Lautneigung entſtanden iſt. Es iſt meines Wiſſens Niemand beigefallen, das ü in fünf unorganiſch nennen zu wollen; und doch heißt es im Go⸗ thiſchen finf, im Angelſächſiſchen fif, und erſt im Althochdeutſchen funf, wieder unter Einfluß der Lippenlaute und der Liquida. In voll, füllen, iſt der Lippenvokal nicht nur gothiſch(fulls), ſondern ſogar ſchon Sanskrit(pürna), obſchon die Wurzel a zeigt(piparmi griech. pimplanai). Solche Lautneigungen ſind noch nicht Lautgeſetze, indem die Verwandlungen nicht in allen Fällen eintreten, wo die Veranlaſſung gegeben iſt; aber ſie ſind darum nicht minder ſprachlich begründet, und aus ihnen gehen ſogar die Lautgeſetze erſt hervor. Dieſe ſind nämlich nichts, als ſolche all⸗ gemein vorherrſchend gewordene Lautneigungen. Der Vorzug, welchen der neuhochdeutſche Gebrauch der Form Hülfe gegeben hat, beruht auf dem Einfluſſe der Lautverbindung If; und wenn man ihm entgegen Hilfe ſchreiben will, trotzdem daß Hilfe nicht nur die ſchon bei Luther gebräuchliche Form, ſondern im Mitteldeutſchen ſogar im 14. Jahrhundert hulffe, und vereinzelt ſelbſt im Alt⸗ hochdeutſchen hulfa vorkommt ¹): wie ſollte man Würde, würdig beibehalten dürfen, da das Alt⸗ und Mittelhochdeutſche nur i in dieſen Wörtern kennt? Weinhold iſt daher nur conſequent, wenn er wirde und wirdig ſchreibt. Derſelbe Gelehrte ſchreibt ber(Bär), liecht(Licht), u. ſ. w.; ein anderer eräugnis(Ereigniß). R. v. Raumer hat gezeigt, daß die Conſequenzen einer ſolchen Reform auf eine„fundamentale Umgeſtaltung unſerer ſeit mehr als hundert Jahren gültigen Schriftſprache“ hinauslaufen, und ihre Unhaltbarkeit aus mehr praktiſchen Gründen unwiderleglich nachgewieſen.
Und in der That würden wir nach dieſen Grundſätzen z. B. zu ſagen haben: der Bo ge, der Brate, die Bracht(ſo Grimm, ſtatt Bogen, Braten, Pracht); des Augen,„ſo im 16. Jahhundert noch zuweilen richtig des Augen, jetzt unorganiſch des Auges“ ſagt ſelbſt Weigand im„Deutſchen Wörterbuch“); der Zungen(ſcatt Zunge); die Hirte, Geiſte, Weibe(für Hirten, Geiſter, Weiber); der(ſtatt die) Schnecke; der Lock, der Kohl (ſtatt die Locke, Kohle); wir ſunken(ſtatt ſanken,„hiſtoriſch richtig und deshalb nicht zu verwerfen“ führt Raumer aus Hoffmann's Schulgrammatik an); er beiß, greif, erlaſch (ſtatt biß, griff, erloſchꝛ); wir ſein(ſtatt ſind) u. ſ. w.
¹) Vergl. Weigand's deutſches Wörterbuch unter Hilfe. 1
²) Die Abwandlung ſolcher Imperfecta, in denen im Altdeutſchen die erſte und dritte Perſon der Einheit
von den übrigen Perſonen durch den Vocal unterſchieden wurde, hat ſich erſt im 17. Jahrhundert in der 4


