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ſchwäbiſcher Dialect mit den alten Vocalen, und daneben ein bairiſch-⸗öſterreichiſcher und ein lothringiſch⸗fränkiſch⸗oberſächſiſcher: der erſtere unterſchied noch ei und ai, indem ei überall eintrat wo dereinſt i geſprochen worden war; der zuletzt genannte Dialect verwiſchte auch dieſe geringen Unterſchiede ¹).„Zuletzt zog ſich der ſchwäbiſch⸗ſchweizeriſche Dialect in die Schwei⸗ zer Berge zurück, wo er durch die ſelbſtſtändige Richtung der dortigen Theologie vor dem Ein⸗ dringen des proteſtantiſchen Dialects geſicherter war. Es iſt intereſſant, das letzte Ausſterben der einſt ganz Oberdeutſchland beherrſchenden mittelhochdeutſchen Schriftſprache zu verfolgen.“„Aus der oben gegebenen Darſtellung“, ſo ſchließt Zarncke ſeine Unterſuchung,„geht ohne Zweifel hervor, daß die Durchſetzung der neuhochdeutſchen Sprache, wenigſtens ſoweit es das Material derſelben, namentlich den Vocalismus betrifft, nicht dem Einfluſſe mitteldeutſcher proteſtan⸗ tiſcher Schriften, ſpeciell der Luther's, zuzuweiſen iſt, daß dieſe vielmehr bereits überall einen ſprachverwandten Boden vorfanden, ja daß ſie in Gegenden, wo dies noch nicht der Fall war, auf die Sprache ohne weſentlichen Einfluß blieben; als ſpäter der Schweizer Dialect ſich vor der Herrſchaft der anerkannten hochdeutſchen Schriftſprache beugte, geſchah dies auf Veran⸗ laſſungen und unter Einflüſſen, die weit entfernt waren, ſpecifiſch proteſtantiſch⸗lutheriſche zu ſein.“(Ebd. 275, 276.)
Raumer geht nun dem Gebrauche der erwähnten Diphthonge nach und findet mittelſt derſelben die erſten Spuren der neuhochdeutſchen Sprache in den Urkunden der bayriſchen und öſterreichiſchen Kaiſer.„In den Schriftſtücken der Habsburgiſchen Kaiſer des 15. Jahrhunderts ſetzten ſich dann die Formen mit ei und au ſo feſt, daß man ſie als die gemeine Sprachweiſe bezeichnen kann ²).“ Die neuhochdeutſche Sprache ergibt ſich ihm hiernach als eine deutſche Reichs⸗ ſprache, welche durch die an Frankfurt geknüpfte Kaiſerwahl und den nach der goldenen Bulle in Nürnberg zu haltenden erſten Reichstag des neugewählten Königs, und überhaupt durch die, meiſtens in die Mitte zwiſchen dem alemanniſchen Südweſten und dem niederdeutſchen Norden fallenden Reichstage fortwährende Einwirkungen erfuhr. Eine ſolche Schriftſprache fand Luther nach ſeinem eigenen Zeugniſſe vor.„Ich habe“, ſagt er in ſeinen Tiſchreden,„keine gewiſſe, ſonderliche, eigene Sprache im Deutſchen, ſondern brauche der gemeinen Deutſchen Sprache, das mich beide Ober⸗ und Niederlender verſtehen mögen. Ich rede nach der Sechſiſchen Cantzeley, welcher nachfolgen alle Fürſten vnd Könige im Deutſchland. Alle Reichſtedte, Fürſtenhöfe ſchrei⸗ ben nach der Sechſiſchen vnd onſeres Fürſten Cantzeley. Darumb iſts auch die gemeinſte deutſche Sprache. Keiſer Maximilian und Churf. Fride: H. zu Sachſ: ꝛc. haben im Römiſchen Reich die Deutſchen Sprachen alſo in eine gewiſſe Sprache gezogen ⁵).“
Luther iſt alſo nicht Schöpfer unſerer gegenwärtigen hochdeutſchen Sprache; wohl aber war er ihr erſter und für ihr Schickſal entſcheidender Claſſiker. Die älteſten Verfaſſer deutſcher Grammatiken wiſſen von einer gemeinſamen deutſchen Sprache. So Ickelſamer, der um das
¹) Man vergleiche damit noch die wichtige Stelle in der Einleitung zu J. Grimm's deutſche Grammatik, dritte Ausgabe(1840), S. 5. ²) Geſammelte ſprachwiſſenſchaftliche Schriften(1863), S. 199 ff. Vergl. hierüber jetzt noch Franz Pfeif⸗ fer's„Die Kanzleiſprache Kaiſer Ludwig's des Baiern“(Freie Forſchung, 1867, S. 363 ff). ³) S. R. v. Raumer, in K. v. Raumer's Geſchichte der Pädagogik, Bd. III. Abtheilung 2.(1852) S. 40 u. Geſ. ſpr. Schr. S. 197. Luther's Tiſchr. Eisleben 1566, Fol. 578(Förſtemann u. Bindſeil IV. 569). 2


