Aufsatz 
Ueber deutsche Grammatik als Lehrgegenstand an deutschen Schulen / von L. Geiger
Entstehung
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Jahr 1531von unſerer gemainen Teütſchen ſprach,von lang gewohntem brauch der teütſchen wör⸗ ter redet ¹); ſo Oelinger, der in ſeinem lateiniſch geſchriebenenUnderricht der Hoch Teutſchen Spraach im Jahr 1573 ſagt:das Idiom, deſſen wir uns bedienen, iſt allen Völkern des oberen Deutſchlands gemein; wie denn auch die Bücher derer am meiſten von uns empfohlen werden, die zu Frankfurt, Mainz, Baſel, Leipzig, Nürnberg, Straßburg, Augsburg, Ingolſtadt und Wittenberg gedruckt werden ²). Hieronymus Wolf, der berühmte humaniſtiſche Philolog, der, wie Raumer hervorhebt, der lutheriſchen Kirche angehörte, in Wittenberg unter den Augen Luther's und Melanchthonss ſtudirte und als Rector des lutheriſchen Gymnaſiums zu Augsburg ſtarb, ſagt, ohne Luther's zu gedenken, in ſeiner kleinen Schriftde orthogra- phia Germanica, ac potius Suevica nostrate:Wenn es bei uns auch weit mehr Dialecte als bei den Griechen, ja faſt unzählige gibt(denn in etwas verändert ſich die deutſche Sprache, wenn man genauer beobachtet, faſt alle 4 oder 5 Meilen), ſo gibt es doch eine gemeinſame Sprache der Deutſchen(una tamen quædam communis lingua est Germanorum), welche das Beſte und am wenigſten Rauhe von Allen auswählt, und dies ſowohl im Schreiben als auch im Sprechen befolgt. Dies geſchieht vorzüglich am kaiſerlichen Hofe; von da haben wir viele ſehr correcte (politissima) Schriften. Das Buch iſt 1566, in zweiter Ausgabe 1578 erſchienen.Alſo, bemerkt Raumer,auf den kaiſerlichen Ho f verweiſt Wolf noch um das Jahr 1578 vorzugsweiſe ⁵³).

¹) Ebend. S. 39. Man beachte in dem Wortegemainen und mehreren der unten folgenden Anführungen die(Zarncke's batriſch⸗öſterreichiſchem Dialecte) entſprechende orthographiſche Unterſcheidung zwiſchen ai und ei. Noch in Stephanus Ritter's Grammatica Germanica Nova(Marpurgi 1616) findet ſich eine Stelle(p. 7), welche zeigt, daß man damals das doppelte ei in der Ausſprache unterſchied. Danach ſoll z. B. zwei ausge⸗

ſprochen werden: zwai, einer: ainer, aber drey mit einem Mittellaute zwiſchen e und i. Die gegenwärtige Unterſcheidung zwiſchen Laib und Leib, Main und mein, Waiſe und Weiſe u. a. iſt ein Reſt des alten Verhältniſſes.

²) Raumer a. a. O. S. 36.

3) Geſammelte ſprachwiſſenſchaftliche Schriften, S. 319 ff. Dasſelbe gilt übrigens auch noch von Joh. Rudolph Sattler(Gerichtſchreibern der Statt Baſel), deſſenTeutſche Orthographey zuerſt im Jahre 1610 erſchien. Das Exemplar der hieſigen Stadtbibliothek iſt eines der vierten Auflage,Gedruckt zu Frankfurt am Mayn, bei Weylandt Hartmanni Palthenij S. Erben, in Verlegung Ludwig Königs zu Baſel. Anno 1631. S. 6 heißt es:Ob nun gleichwol auß vorerzeltem allem verſtanden worden: Wenn vnd woher die Teutſche Sprach ihren vrſprung gewonnen haben möchte, an welchen orten die diſer zeit in vbung ſeyn: ſo kan doch niemandts für gewiß anzeige, in welchem Land, Statt oder Flecken dieſelbig alſo beſchaffen: daß man deren im Reden vnd Schreiben gewiß folgen könne. Dann dieſer zeit ein jeder Flecken, geſchweig jetzt der Landen und Stätten, ſeine Dialectos, das iſt, ſonderbare vnd eigene weiſen oder gattungen zu reden hot. Mein zwar in dieſer wichtigen Sach gering vnd einfältig Iudicjum oder Vrtheil zufellen, halte ich dafür, daß diſer zeit bei der. Key. Majeſt. Hoffe, den Nider: Ober: und Vorderoeſterreichiſchen Landen, deßgleichen dem hochlöblichen Key. Cammergericht zu Speier, ſodann bei Churfürſt. Meintziſcher, Churfürſtlicher Pfaltzgräfiſcher, Churfürſtlicher Sächſiſcher vnnd Churfürſtlicher Brandenburgiſcher, Fürſtlicher Wirtenbergiſcher, Fürſtlicher Marggräfiſcher Ba⸗ diſcher, der löblich? Statt Augſpurg, Nüreberg, Vlm, Franckfort, Worms, Straßburg ꝛc. vnnd dergleichen Cantz⸗ leyen, im ſchreibé die rechte Teutſche Sprach gebraucht werde. Wie dann auch die Reichsabſcheid, deß Key. Cam⸗ mergerichts Ordnung, viel Teutſche Bücher in Rechten, vnd die Formular, ſampt etlichen Geſchichtſchreibern, als Flauius Iosephus, Titus Livius, Sleidanus etc. in Teutſche Sprach gebracht, ſolcher maſſen beſchrieben ſeynd.

Mag derowegen meines geringfügige bedünkens ſchlieſſen: daß im reden vnd ſchreiben Teutſcher Sprach, wie die bey allerhöchſt: höchſt: hoch: vnnd wohlgedachten Cantzleyen geſchrieben, vi in nechſtgemelten Büchern gedruckt gefunden wirdt, dieſer zeit nachzufolgen ſeye.

Es wirdt aber hierzu niemand verbunden, ſonder es ſtehet zu eines jeden freyen willen, im reden vnnd ſchreiben Teutſcher Sprach, zu folgen wem er will.