— 15—
nach unter dem Boden der Aula her, in welchem die übrigen Tragbalken nach Oſten und Weſten der Breite nach eingefügt ſind; ſondern von Oſten nach Weſten liegen, geſtützt und getragen von mächtigen Blöcken in den Pfeilern, je einer zwiſchen zwei Fenſtern, 4 gewaltige Doppel⸗P⸗Träger von genietetem Eiſen, jeder 60 Centner ſchwer, welche die ſtarken Mauern zuſammenhalten und nebſt den ſie verbindenden Querbalken den ſichern Fußboden tragen. Außerdem ſind ſowohl unter dem Gewölbe der Kirche als auch oben im Plafond der Aula noch unterſtützende Verankerungen ange⸗ bracht, um das ſeitliche Ausweichen der durch ſchweren Druck belaſteten Mauern des Mittelbaues zu verhüten.—
Im Jahre 1804, kurz nach der Säkulariſation des Bisthums Fulda— um in der hiſtoriſchen Skizze fortzufahren— wurde auch die katholiſche Univerſität nach 70jährigem Beſtehen aufgehoben. An ihre Stelle trat das mit Gymnaſialklaſſen verbundene Lyceum, für deſſen Dotation der damalige Landesherr, Prinz Wilhelm von Oranien, reichlich ſorgte. ¹*) Das ehemalige Oratorium jedoch wurde damals durch landesherrliches Reſkript der evangeliſch⸗reformirten Gemeinde zur Abhaltung ihres Gottes⸗ dienſtes überwieſen und iſt ſeit jener Zeit, wie über der Thüre zu leſen ſteht, die„evangeliſche Kirche zu St. Marien.“
Als nun einige Jahrzehnte ſpäter— keineswegs zur Zierde des Hauſes— der jetzige Glockenthurm aufgeſetzt wurde, da wirkte der belaſtende Druck der etwas zu maſſiven und ſchwerfälligen Konſtruktion auf Gebälk und Wände ſo nachtheilig, daß wiederholt Riſſe im Gewölbe entſtanden und daß man es in hohem Grade bedenklich fand, den Raum über der Kirche für die Zwecke des inzwiſchen im Jahre 1835 reorganiſirten Gymnaſiums zu benutzen. Erſt in Folge der vor ein paar Jahren nöthig gewordenen Reparaturen und Vorkehrungen zum Schutze der Mauern und des Gewölbes der Kirche iſt es möglich geworden, auch dieſen ſo lange Zeit öde und leer gelaſſenen Raum wieder nutzbar zu machen und ihn ſeiner uranfänglichen Beſtimmung zurückzugeben. Wieder ſoll in dieſem Saale wie weiland, wenn auch aus der aula academica eine Gymnaſialaula geworden iſt, die höhere Schule Fulda's bei öffent⸗ lichen Feierlichkeiten Zeugniß ablegen von dem Geiſte, der ſie beſeelt, von den wiſſenſchaftlichen Leiſt⸗ ungen, die ſie erreicht, von den Zielen, die ſie ſich ſetzt. Möge ſie, das iſt mein innigſter Wunſch, in keiner Hinſicht ihren berühmten Vorgängerinnen allzu unähnlich werden, wenn es ihr auch nicht vergönnt ſein wird, in ſo hervorragender Weiſe wie jene zu wirken und weit über die Gaue des Vaterlandes hinaus Ruhm und Ehre zu verdienen!
Die Kloſterſchule, die Schule des Hrabanus, hat einſt Fulda hochberühmt gemacht vor vielen Städten des deutſchen Landes, das von hier aus— mehr vielleicht als von irgend einem andern Orte — wie das Licht der göttlichen Lehre des Evangeliums, ſo auch den reichen Segen wiſſenſchaftlicher Bildung und ernſter Geiſtesarbeit empfangen hat.
Auch die zweite Schule, die nach der Mitte des 16. Jahrhunderts hier erblühte, hat zwei Jahr⸗ hunderte lang für Religion und Wiſſenſchaft im Dienſte des engeren und weiteren Vaterlandes ruhm⸗ reich gewirkt und in hohem Anſehen geſtanden.
10) Vergl. Wieſe l. I. S. 454.


