Aufsatz 
Die Gründung Fulda's / von Jakob Gegenbaur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Alma Adolphiana, nachdem bereits im Jahre 1732 die päbſtliche Bulle Clemens des XII. zur Er⸗ richtung derſelben und am 12. März 1733 das Beſtätigungsdiplom Kaiſer Karl des VI. erlaſſen worden war,) feierlich inaugurirt*); an dieſer nämlichen Stätte wurde am 4. Februar 1735 der hl. Hraban zum Patron der theologiſchen Fakultät erwählt, während zum Vorbild und Schützer der ſtudirenden Jugend ſchon 2 Jahre zuvor nach der frommen Sitte der Vorfahren der hl. Aloyſius beſtimmt worden war.)

Auf Adolf von Dalberg folgte(1737 1756) Fürſtabt Amand von Buſeck, deſſen Bild zur Linken der Niſche hängt. Es war im Jahre 1744, zehn Jahre nach der Eröffnung der Univerſität, da ſchloß man die achttägige Feier des Millenariums der Gründung Fulda's, um die ſich außer dem großen Apoſtel der Deutſchen bekanntlich Pipin und Karlmann hochverdient gemacht haben, mi einem glänzenden Drama. Daſſelbe ſtellte Karlmann dar, wie er dem Thron und der Welt entſagt und das Kloſterleben wählt. Der Fürſt Amand war anweſend, nicht nur von dem einheimiſchen, ſon⸗ dern auch von auswärtigem Adel, der des Jubiläums wegen zahlreich gekommen war, umgeben, dazu eine ſo große Menge anderer Zuſchauer, daß die Aula ſie nicht faſſen, oder vielmehr nicht tragen konnte. Denn die Proſpekte, waren eben vertheilt, und es ſollte gerade das Drama ſeinen Anfang nehmen, da war der Durchzug am Boden der Aula, jener Hauptbalken, in welchem die übrigen der Breite nach eingefügt waren, nicht mehr im Stande, den zu ſchweren Druck auszuhalten, und zer⸗ brach mit einem ſolchen Krach, daß man fürchtete, der ganze Boden mitſammt dem Deckengewölbe des darunter befindlichen Oratoriums werde zuſammenſtürzen.Die Feder iſt zu ſchwach ſo erzählt uns der Zeitgenoſſe und vermuthlich ſelbſt Augenzeuge weiter, um das Geſchrei der ganzen Menge und beſonders des weiblichen Geſchlechts zu beſchreiben. Mit wenigen Ausnahmen ſuchten alle durch die Flucht ihr Leben zu retten. Da nur ein einziger Ausgang offen ſtand, ſo vermehrte das Drängen der Menge, die Haſt und das ſchreckliche Geſchrei erſt recht den Lärm und die Furcht. Der Fürſt ſelbſt ward durch die Hände ſeiner Barone förmlich auf die Bühne gehoben, auf die ſich auch der übrige Adel zurückzog. Der P. Rektor begab ſich alsbald mit einigen Hofleuten in das Oratorium hinab, um durch den Augenſchein ſich zu überzeugen, ob in dem Gewölbe Riſſe und Spalten zu entdecken ſeien, und als nicht eine Spur wahrgenommen wurde, erſtattete man dem Fürſten Bericht, der inzwiſchen auch perſönlich herabgekommen war und den Zuſtand des Balkens einer Prüfung unterzogen hatte. Es ſtellte ſich heraus, daß man ſich die Gefahr weit größer vorgeſtellt hatte, als ſie in der That war. Der Fürſt begab ſich daher an ſeinen Sitz zurück, das Drama nahm ſeinen Anfang und wurde mit Glück zu Ende geführt.*)

Solches geſchah vor 134 Jahren. Fürchten Sie nicht, verehrte Anweſende, daß ſich eine ähnliche Schreckensſcene heute wiederholen könne. Dafür hat die Königliche Baubehörde geſorgt. Denn jetzt läuft nicht mehr wie damals ein Hauptbalken oder Durchzug von Norden nach Süden der Länge

6) Vrgl. Komp, die zweite Schule Fulda's, S. 70.

7) Ebendaſelbſt S. 77. Ihr Dedikationsſpruch lautete: Ecclesiae, Patriae, Imperio. 8) Ebendaſelbſt S. 79.

9) Ebendaſelbſt S. 133.