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Sodann begrüße ich es als einen glückverheißenden Umſtand, daß die Eröffnung dieſer neuen Aula gerade mit dem Hrabanusfeſte zuſammenfällt. Wie das Kind, das an einem Sonntag geboren iſt, als ein Glückskind gilt, und wie man zum Tauf⸗ oder Hochzeitstag gern Tage des Kalenders wählt, die durch Namen großer Männer oder beſonders verehrter Heiligen ausgezeichnet ſind, gleichſam als ein gutes Vorzeichen und zur Weihe für den ganzen Lebensweg: ſo dürfen auch wir es als einen glücklichen Zufall anſehen,— wenn anders das ein Zufall iſt, was nach des Dichters Wort„die Vorſehung gibt und der Menſch zum Zweck geſtaltet“,— daß gerade am Hrabanustage, welcher ſeit der Reorganiſation des Gymnaſiums(1835) mit Recht für den engern Kreis unſerer Schule ein hehrer Gedächtnißtag war und der dieſes hoffentlich in alle Zukunft bleiben wird, ſo lange wenigſtens als Wiſſenſchaft und wahre Bildung, die von Tugend und Frömmigkeit unzertrennlich iſt, und ſo lange als diejenigen, ſo ſie gepflanzt und gepflegt haben wie Hraban, in Ehren gehalten werden,— daß, ſage ich, an dieſem Tage dieſe neue Aula zum erſten Male in Gebrauch genommen und eingeweiht wird.
Auch die frühere Aula, welche zur Feier der 1000jährigen Erinnerung an den großen Lehrer Deutſchlands(† 856) vor 22 Jahren geſchmackvoll renovirt und am 4. Februar 1856 eingeweiht worden iſt, war gleichſam auf den Namen des hl. Hrabanus getauft. ³)
Mehr und mehr aber ſtellte ſich im Laufe der Jahre heraus, daß ihre Größe bei der geſteigerten Frequenz der Anſtalt dem Zwecke nicht ferner entſprechend ſei. Als„Prüfungsſaal“ genügte ſie ja allerdings wohl dem Bedürfniß noch für lange Zeit; es müßte denn, was aber heutigen Tages kaum zu hoffen ſteht, das Publikum auch bei den öffentlichen Prüfungen eine größere Theilnahme für die Beſtrebungen der Schule an Tag zu legen ſich wieder gewöhnen; aber bei allen andern öffentlichen Schulakten, zumal bei der Feier am Schluſſe des Schuljahres oder Semeſters, erwies ſich der vorhandene Raum durchaus als unzulänglich, ſo daß meiſtens ein großer Theil der geehrten Beſucher auf einen noch ſo beſcheidenen Platz in dem Saale verzichten mußte..
Dieſem Uebelſtande iſt nunmehr durch Herſtellung dieſer neuen Aula, die faſt den doppelten Flächenraum¹) der frühern hat, gründlich abgeholfen. Und ſollte im Laufe der Zeit auch dieſer Raum für die Zahl der Schüler und Gäſte zu klein werden, ſo iſt die Möglichkeit vorhanden, daß er mit leichter Mühe und verhältnißmäßig geringen Koſten um ein Drittel, ja wenn es ſein müßte, um zwei Drittel ſeines jetzigen Flächeninhalts vergrößert werden könnte.
Er würde dann erſt diejenige Größe wiedergewonnen haben, welche einſt vor 144 Jahren der Er⸗ bauer dieſes Hauſes und Stifter der Univerſität Fulda, Fürſtabt Adolf von Dalberg(1726—1737), deſſen Bild Sie hier zur Rechten der Niſche erblicken, ſeiner aula academica gegeben hat. 5)
Ja, v. A., unſere neue Aula iſt im Grunde nur eine wiedererſtandene und verjüngte alte, und an dieſer nämlichen Stätte, wo wir heute das Hrabanusfeſt feiern, wurde am 19. September 1734 die
3) Wenn Hraban im Jahre 778 das Licht der Welt erblickte, ſo fällt die Einweihung der neuen Aula mit dem 1100⸗ jährigen Geburtsjubiläum deſſelben zuſammen. Indeſſen dürfte wohl richtiger das Jahr 776 mit Mabillon als das Geburts⸗ jahr anzuſetzen ſein. Vrgl. Bach J. I. S. 2.
4) Genauer iſt das Verhältniß des Flächeninhalts beider Säle 100: 180 qm.
5) Vrgl. Komp, die zweite Schule Fulda's, S. 67.


