Aufsatz 
Die Gründung Fulda's / von Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Möge es auch der dritten Schule, die erſt auf eine verhältnißmäßig kurze Vergangenheit zurück⸗ blicken kann, beſchieden ſein, wenn auch nicht ſo viel Ruhm und Ehre zu verdienen wie ihre beiden ältern Schweſtern oder ſollen wir ſie lieber ihre Ahnen nennen?, ſo doch eine lange und glückliche Zukunft hier im Herzen Buchonia's, in dem Erbe des hl. Bonifatius ¹¹) wohlthätig und ſegensreich zu wirken!

Möge ſie, unbeirrt durch den Geiſt der Zeit, vor allem Gottesfurcht, wahre Religiöſität und Tugend in den Herzen ihrer Schüler pflegen und erhalten! Möge ſie gegenüber den materiellen Be⸗ ſtrebungen der Gegenwart nicht vergeſſen den Sinn der Jugend auf das Ideale zu lenken und den Glauben nicht nur an die göttliche Weltregierung und Vergeltung, ſondern auch an die Erlöſungsbedürftigkeit des Menſchen und an die göttliche Erlöſungsthat und mit dem Glauben an Gott auch die Liebe zu Gott tiefein die Herzen einzuprägen!

Möge ſie ſodann der andern Aufgabe der Erziehung nicht minder ernſt und erfolgreich ſich widmen, der Ausbildung des Verſtandes und der geſammten Erkenntnißkräfte! Möge ſie Auge und Ohr der Lernenden aufſchließen für die mannigfachen Gebiete des Wiſſens, ihnen gediegene und gründliche Kenntniſſe vermitteln und ſie befähigen zu wiſſenſchaftlichem Erkennen und Arbeiten jeder Art!

Möge ſie endlich drittens beides thun mit ſtiller Hingabe und Treue im Dienſte des Vaterlandes, und möge ſie dadurch auch in den Herzen ihrer Zöglinge wahre, echte, ungeheuchelte Vaterlandsliebe begründen! Und da nur derjenige das Vaterland recht lieben kann, welcher es kennt, ſeine Sprache, ſeine Geſchichte, ſeine Sitte und Art, ſo möge die Schule nicht verſäumen ihre Zöglinge in dieſe einzu⸗ führen, ſie empfänglich zu machen für Alles, was das deutſche Herz erhebt, für ſeine Leiden und Freuden in alter und neuer Zeit, und ſowohl das Bewußtſein von den höchſten Gütern und Aufgaben der eigenen Nation in ihnen wecken, als auch den Willen und das Pflichtgefühl in ihnen wachrufen, dieſer gemeinſamen Mutter die eigenen Kräfte zu widmen und ihrem Wohle dienſtbar zu machen!

Darum ſoll heute und immerdar der ſchöne Raum, in welchem wir heute zum erſten Male dieſe öffentliche Schulfeier begehen, gewidmet ſein der Religion, der Wiſſenſchaft, dem Vaterlande Deo, Musis, Patriae!

Möge heute, wie wir im Liede ſangen, hier einziehen alsKönig der Ehren der Herr, ſtark und mächtig, Gott Zebaoth! Möge Seinem Namen in dieſen Hallen immerdar ſeinEhre, Macht und Ruhm und ſtets das dreimal Heilig erſchallen! Das walte Gott!

11) Daß die SchreibungBonifacius auf einer ſpäteren Umdeutung des Namens(ſoviel als benefactor, Wohlthäter) beruhe, und daß dieſer vielmehr urſprünglichBonifatius lautete(i. e. Eutyches, ein Mann von gutem Schickſal), hat neuer⸗ dings in ſeinem verdienſtvollen WerkeBöhmer, Regesta archiepiscoporum Maguntinensium, Einl. pag. V VI, Cornel. Will überzeugend dargethan.