Aufsatz 
Die Gründung Fulda's / von Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Geſchichtsforſchung, die prähiſtoriſche Archäologie, gibt uns in dem durch die Ausgrabungen gewonnenen Materiale Beweiſe an die Hand, daß in einzelnen Gegenden des Buchenwaldes Menſchen vorüber⸗ gehend gelebt haben; denn auf dauernde Anſiedelungen läßt ſich aus der verhältnißmäßig geringen Anzahl ſolcher Gräber durchaus nicht ſchließen; auch gehören im Allgemeinen dieſe Gräberfunde der hiſtoriſchen Zeit an und auf dieſem Gebiete muß ſich die ſog. unterirdiſche Geſchichtsforſchung mit der eigentlichen Geſchichtsforſchung auseinanderſetzen, d. h. weſentlich die ſtrenge Methode dieſer und die Scheu vor voreiligen Schlußfolgerungen ſich aneignen, denn nur das Bewieſene hat volle wiſſenſchaftliche Geltung und Hypotheſe bleibt immer nur Hypotheſe. Die Funde der Gräber Buchoniens gehören vorzugsweiſe der Bronze⸗ und Eiſenzeit an, während die reine Eiſenzeit, d. h. voll⸗ ſtändige Verdrängung der Bronze, faſt mit dem Ende der Merowinger Herrſchaft zuſammenfällt, alſo ungefähr mit der Gründung Fulda's. Slaviſche Niederlaſſungen in der Buchonia finden ſich erſt ſpäter und zwar nur vereinzelt und meiſtens ſind dieſe Bewohner im Zuſtande der Hörigkeit. Daß aber das Vorhandenſein dieſes ſlaviſchen Element's inmitten der deutſchen Bevölkerung ſo ganz ohne Einfluß auf die Ortsnamen geblieben ſein ſollte, wer wollte dies leugnen? Und in dieſer Beziehung iſt es richtig, daß die Sprache die älteſte Quelle der Geſchichte iſt; aber ſie wird dies erſt weſentlich durch die ſchriftliche Ueberlieferung und dieſe wird es vorzugsweiſe durch die Zeit, aus welcher die ſchriftliche Ueberlieferung ſtammt, weil dadurch die Form jener und deren Weiter⸗ bildung beſtimmt iſt. Im Allgemeinen zwar ſteht es feſt, daß die Ausbreitung der Bevölkerung Mittel⸗ europas von Oſten nach Weſten ſtattgefunden hat; es gibt Gegenden, wo wir gewiſſermaßen ſchichten⸗ artig die Namen der aufeinander folgenden Anſiedelungen von Romanen, Kelten, Germanen und Slaven in Ortsnamen erhalten finden; aber nicht erwieſen iſt es zur Zeit, daß gleichmäßig und in gleicher Breite keltiſche und germaniſche Stämme hintereinander her über alle Gegenden der Oberfläche Centraleuropas ſich verbreitet haben. Es iſt darnach immerhin ſehr bedenklich, angelehnt an den ſchwachen, unſichern Halm vereinzelter Ortsnamen, wie Ulſtra, Eitra, Taftaha nnd Rone, zumal deren Form aus ſpäterer Zeit, nur in Abſchriften, die oft verderbt und willkürig verändert uns überliefert ſind, deren Zurückführung auf ein deutſches Wurzelwort man immerhin noch nicht aufzugeben gezwungen iſt, annehmen zu wollen, daß auch früher, vor Stiftung des Kloſters, das obere Fuldagebiet keltiſche Anſiedelungen gehabt habe; es iſt ſehr bedenklich, ſagen wir, um ſo mehr bedenklich iſt dieſe Annahme, als gerade im obern Fuldathale die älteſten Namen der Gegenden, Berge und Flüſſe rein deutſch und dieſe gerade doch in den meiſten Fällen älter als die Anſiedelungen ſind, die ihren Namen erſt von jenen empfangen haben.

Die Bedeutung der Ortsnamen iſt jedoch auch für die Geſchichte Buchonia's von hohem In⸗ tereſſe, insbeſondere für die ſpäteren Anſiedelungen in den Jahrhunderten, welche unmittelbar auf die Gründung Fulda's folgten, in denen die Urbarmachung des Bodens über weitere Räume ſich erſtreckte und die Gründung neuer Anlagen immer größere Kreiſe beſchrieb, denn dadurch nahm an Ausdehnung der Beſitz der neuen Stiftung um ſo mehr zu, als fortwährend Schenkungen hinzukamen, welche von Neuem den Beweis lieferten, in welchem Anſehen Fulda bei den Königen der Franken ſtand, insbeſondere bei den bedeutendſten und mächtigſten derſelben, Karl dem Großen und ſeinem Vater Pipin, welcher