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Folgen wir dieſer Quelle, ſoweit ſie auf die Gründung Fulda's ſich bezieht, in kurzen Umriſſen.
Im Frühjahre 743 brach Sturmi mit zwei Gefährten von Frideslare(Fritzlar) auf Veranlaſſung und mit Zuſtimmung des hl. Bonifatius nach der Buchonia auf, um in dieſer großen Waldeinſamkeit den Ort zu ſuchen, der zur Gründung einer Niederlaſſung geeignet wäre. Nach drei Tagen kamen ſie an den Ort in der Buchonia, welcher zur Zeit Eigil's den Namen Herolfesveld(Hersfeld) führt; ſie bauten am linken Ufer des Fluſſes„Fulda“ kleine Hütten, welche ſie mit Baumrinden bedeckten. Als nun Sturmi nach einiger Zeit mündlich an Bonifatius über den aufgefundenen Ort Bericht er⸗ ſtattete, die Beſchaffenheit des Bodens, den Lauf des Waſſers, die Quellen, Thäler und alles, was zu dem Orte in Beziehung ſtand, ſchilderte, hielt dieſer wegen der Nähe der Sachſen den Platz nicht für geeignet. Sturmi zog nun abermals mit ſeinen beiden Gefährten zur weiteren Reiſe von Herolfesveld in einem Kahne den Fluß Fulda hinauf; nach drei Tagen kamen ſie an die Mündung der Luodera (zum Stamm hlutar rein, lauter, das heutige Lüdermünd); hier wandten ſie den Kahn, da ſie keinen Ort gefunden hatten, der ihren Wünſchen entſprach; nur an dem Ruohenbach(zum Stamme hruoh, Krähenbach, dem heutigen Rombach) machten ſie Halt, ſahen jedoch auch hier, daß dieſer Ort ſich nicht für die neue Niederlaſſung eigne, und fuhren zu ihrer ärmlichen Wohnung nach Hersfeld zurück. Da erſchien ein Bote von Bonifatius an Sturmi mit der Einladung zu ihm zu kommen. Sturmi brach ſchon am folgenden Tage nach Großſelheim, in der Nähe von Amöneburg, auf und empfing dort von neuem die Aufmunterung, ſeine Forſchungen fortzuſetzen. Sturmi kehrte nach Hersfeld zurück, ſattelte ſeinen Eſel, belud ihn mit den nöthigen Lebensmitteln und zog dann allein in die Einöde. Dieſe Reiſe im Sommer des Jahres 743 ging am linken Fuldaufer herauf in den Zunderenhardt(Zun⸗ derwald). Wo Sturmi übernachtete, da fällte er mit der Axt, welche er bei ſich führte, Holz und um⸗ zäunte ſein Ruhelager zum Schutze vor den wilden Thieren, deren es eine Menge in jenen Gegenden gab. Bei ſeiner Weiterreiſe traf er auf die alte Straße, den Antſanweg, die vom Rheine nach Erfurt führte; er folgte derſelben und kam an die Stelle, wo die Straße durch eine Furt über die Fulda zog.
Hier ſah er Menſchen; es waren Slaven, aber es waren dies„keine Bewohner des Buchen⸗ walds“,„keine Ueberbleibſel von einer mörderiſchen“,— rein erfundenen—„Schlacht“, noch auch„nomadiſirende Haufen, welche ſich am Wege gelagert hatten“, noch„ſonſtige ſlaviſche Volksreſte“, ſondern Handelsleute, welche mit ihrem Dolmetſcher von Thüringen nach Mainz und von da zurückzogen.
Sturmi ſetzte an ihnen vorüber, ohne an ihre Neckereien ſich zu kehren, ſeinen Weg durch den Fluß auf das rechte Ufer der Fulda weiter fort und folgte wahrſcheinlich hier dem weiteren Zuge der Straße auf dem rechten Fuldaufer, ſpäter der Königsweg oder Rennweg,(kuningesweg, reinnewech) genannt, über den Bramforſt hin, um in den obern Theil der Wildniß zu gelangen. Wilde Thiere, Schwärme von Vögeln, ungeheuere Bäume und unbewohnte Flächen zeigten ſich ſeinem Auge. Vier Tage nach ſeinem Uebertritt auf das rechte Ufer der Fulda ging er in nordöſtlicher Richtung an der Stelle, wo jetzt Fulda liegt, vorüber, ohne dieſelbe zu gewahren. Sein Weg führte demnach durch die Waldung von Dietershan, von da herüber nach dem Oſtabhange des Rauſchenbergs und Petersbergs, auf die Höhen öſtlich von Künzell und von da weſtlich weiter bis an die Mündung der Gyſilaha


