Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch, 2. Abteilung. Das Grabfeld
Entstehung
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brachte, und das überhaupt an die Völker des öſtlichen Frankens ge⸗ richtet war, die Namen jener dort gelegenen Gaue, wo die Namen der Gaue zugleich auf die Bewohner übertragen ſind, erfahren.

Das Gebiet der Chatten rechnet man gewöhnlich von den Cheruskern im Norden am Zuſammenfluß der Fulda und Werra bis zur Vereinigung des Rheines und Mains.) Im Oſten und Süd⸗Oſten wurden die Chatten durch den Lauf der Werra und frän⸗ kiſchen Saale von den Thüringern und dem Gebiet der Hermun⸗ duren getrennt. Im Weſten reichte das Gebiet der Chatten, im wei⸗ teſten Sinne genommen, bis an die Grenze der Tenkterer und bis zum Eggegebirge. Die Chatten aber im engeren Sinne, welche theilweiſe die Buchonia bewohnten und an das Grabfeld grenzten, ſaßen vor⸗ zugsweiſe in dem Oberlahngau und dem fränkiſchen Heſſengau, als deſſen älteſter Hauptſitz Fritzlar und ſodann als Grenzort Hers⸗ feld erſcheint. Die Theile dieſer chattiſchen Stämme im Weſten und Norden bildeten nun, ebenſo wie die Thüringer im Norden und ſpeciell die Franken im Süden, die neue Bevölkerung der Buchonia, während die chattiſchen Stämme, welche die Gaue Wettereiba, Kunigeſundra und den Niederlahngau bewohnten, in das Bündniß mit den Ale⸗ mannen übergingen und im Norden der Namen der Chatten im Bünd⸗ niſſe mit den Franken verſchwand und unter dem Namen Haſſi und Heſſi als fränkiſcher Stamm wieder hervortrat.

Neben den ebengenannten germaniſchen Stämmen, welche wir als die Bewohner der alten Buchonia kennen gelernt haben, taucht jedoch auch ſchon frühe ein ſlaviſches Element auf. Von der Oſtgrenze des Böhmerwaldes, vom Fichtelgebirge und von der norddeutſchen Ebene her waren zahlreiche ſlaviſche Stämme in die Provinz Oſt⸗ franken vorgedrungen. Dem Laufe des Mains und ſeiner Neben⸗ und Zuflüſſe entlang hatten dieſe Slaven bis tief nach Südthüringen, dem nachmaligen Frankonien, ſich ausgedehnt. So war der ganze Radenz⸗ gau, ſowie ein Theil des benachbarten Ranggau's und des Volkfelds von ihnen eingenommen. Die weſtlichen derſelben hatten zuerſt das Chriſtenthum angenommen, ſie waren zinspflichtig und hatten wahr⸗ ſcheinlich von dem Kloſter Fulda aus, ebenſo wie die im Süden von Würzburg, die neue Lehre empfangen. Die Leiſtungen, welche die ſlaviſchen Bewohner zu beiden Seiten des Thüringerwaldes, von der Unſtrut an bis zur Werra, an das Kloſter Fulda zu machen hat⸗ ten, ſind die Beweiſe dafür. Wir finden übrigens im ganzen Grabfeld dieſe Slaven zerſtreut, aber meiſtens in hörigen

¹) Müller, Deutſche Stämme, 1, 167, II. 355.