Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch, 2. Abteilung. Das Grabfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

987

Verhältniſſen, jedoch waren dieſe nicht an allen Orten gleicher Art. Sie erſchienen als lidi, aber auch als servi, ja ſelbſt als freie An⸗ ſiedler. Als Dienſt, welchen namentlich die in Kirchhaſel und Rasdorf Anrgeſiedelten zu leiſten hatten, wird erwähnt, daß ſie die Felder beſtellen mußten. Als Abgaben entrichteten ſie ent⸗ weder Geldzins, oder Flachs und Wolle, oder aus dieſen bereitete Gegenſtände, Hemden und Jacken aus Leinwand, cami iales,(Kami⸗ ſole) genannt, Decken oder grobe Kleidungsſtücke aus Wolle, cozzi genannt; außerdem Getreide aller Art, Eier, und von Vieh: Hühner, Schweine, Schafe und Schafsböcke.)

Die erhaltenen alten Zinsregiſter gewähren uns einen Ueberblick über die Verbreitung dieſer Slaven in den Beſitzungen des Kloſters und geben uns auch meiſtens die Kopfzahl derſelben an. Wir finden darnach Slaven in Gerſtungen(95), Rasdorf, Haſelſtein, Almendorf, Aſchenbach, Geiſa(55), Arzell(37), Stein⸗ bach, Spala(76), Hofbiber und Hünfeld(35); am Peters⸗ berge, dem alten Ugesberge, wohnten Slaven als Colonen; links der Fulda waren die Anſiedlungen der Slaven ſeltener, wir finden jedoch deren in Flieden(33), in Lauterbach(21), in Großenlüder und in Uttrichshauſen. Daß bei der Aufzählung der Bewohner dieſer Orte nicht etwa unter dieſenSclavi eine Bevölkerung im Sklavenſtande, servi, gemeint ſei, ergibt ſich aus dem Umſtande, daß dieſe Sclavi neben den Namen der Franken und Sachſen aufgeführt werden. Im Uebrigen überwog überall der deutſche Beſtandtheil dieſen ſla⸗ viſchen, und deutſch ſind ſelbſt die Namen aus jenen Gegenden am oberen Main, von denen wir jedoch wiſſen, daß ſie vorherrſchend von Slaven bewohnt waren. ²)

eAeen

Ende des erſten Bandes.

¹) Dronke, Zeitſchrift des Vereins f. heſſ. Geſch. Neue Folge. I. 1. p. 65. ²¹) Zeuß, die deutſchen Volksſtämme, S. 648.