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des achten Jahrhunderts, alſo nach 50 jährigem Beſtande des Kloſters, kommen Anſiedlungen an der Scamunfulda, in dem Thal von Kerzell bis nach Uttrichshauſen hinauf, und in den erſten Jahrzehnten des neun⸗ ten Jahrhunderts an der Flieden, in der Mark Flieden, und an der Haun vor. Mit dem Beginn des neunten Jahrhunderts wächſt alſo mit Beſtimmtheit die Ausdehnung der Anſiedlungen, und zwar nicht blos in den Gegenden, wofür die oben angeführten Orte als Beweis die⸗ nen, ſondern auch am linken Ufer der Fulda abwärts, indem wir nun⸗ mehr durch eine Reihe von Gründungen neu er Kirchen und derenEin⸗ weihung beſtimmte Thatſachen erhalten, welche uns zum Maßſtabe dienen können, wie allmählich die Bevölkerung räumlich ſich ausdehnte. Dazu kommt noch, daß auch aus entfernteren Gegenden Bewoh⸗ ner ſich in dem Buchenwalde anſiedelten. Hierher ſind die urkundlich ver⸗ bürgten Niederlaſſungen einiger Sachſenhäuptlinge zu zählen, die aber ſicherlich ſchon aus dem Umſtande nicht allein ſtehen, wenn ſich auch ſpeciell weitere Beweiſe nicht erbringen laſſen, weil das Beiſpiel der Führer wohl maßgebend auch für die untergeordneten Volksbeſtand⸗ theile geweſen ſein wird, und weil dieſe Erſcheinung gerade in die Zeit fällt, wo wir wiſſen, daß es entſchieden Politik Karls d. Gr. war, die Sachſen nach andern Theilen ſeines Reiches zu verpflanzen, wozu ihm gewiß die weiten, unbebauten Flächen der Buchonia geeig⸗ net erſcheinen durften. In ähnlicher Weiſe, wie wir Mönche aus Bayern in großer Anzahl im Kloſter finden, mochten und konnten auch wohl von dort, theilweiſe veranlaßt durch ihre Verwandten im Kloſter, Anſiedler aus jenen Gegenden gekommen ſein. Vor allem aber waren es die Bewohner der zunächſt um die Buchonia herumliegenden Gaue, welche die Gelegenheit benutzt haben werden, ſich weiter auszudehnen. So waren namentlich für die damalige Zeit zu beiden Seiten des Mains die Franken und nach der Werra und Saale zu die Thü⸗ ringer, ſowie nach Lahn, Eder und Werra hin die Chatten ausgebreitet; die Gründung Fulda's ſchuf erſt den lebengebenden Mit⸗ telpunkt für dieſe drei Stämme und von dieſem aus wurden vorzugs⸗ weiſe die buchoniſchen Wälder gelichtet und die Pflugſchaar zog hinter dem Kreuze her ihre fruchttragenden Furchen in die deutſche Erde. Ueberhaupt werden wir erſt durch die Wirkſamkeit der zahlreichen Glaubensboten auf deutſchem Gebiete während der erſten Hälfte des achten Jahrhunderts, unter denen Winfried vor Allen hervorragt, in die Gaue des innern Germaniens eingeführt, in Gegenden, über welche vorher noch nicht einmal die geringſte Kunde vorhanden war. So haben wir auch zuerſt aus dem Schreiben des Papſtes Gregor, das Bonifacius von ſeiner Reiſe nach Rom 739 mit nach Germanien


