Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch, 2. Abteilung. Das Grabfeld
Entstehung
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W.

Die Frage, welchem der germaniſchen Stämme die Bevöl⸗ kerung angehört habe, die ſich in jenen Gauen befand, in denen das Kloſter Fulda ſeine Hauptbeſitzungen hatte, wird ſich nur ſo beant⸗ worten laſſen, daß man hierbei nicht blos nach der Zeit, und zwar die zweite Hälfte des achten Jahrhunderts getrennt von der folgenden Zeit, ſondern auch geographiſch nach dem Raume, und zwar die öſtlich und ſüdlich gelegenen Gegenden des Grabfelds und Saalgau's von jenen Strecken, welche der eigentlichen Buchonia angehören, abgeſchie⸗ den, betrachtet. Vor allen Dingen muß man entſchieden die Anſicht von ſich fern halten, als ob das Wachſen des Kloſters und die Zu⸗ nahme ſeiner Bewohner gleichen Schritt mit der Zunahme der Bevöl⸗ kerung überhaupt gehalten habe. Die Nachricht!), daß ſchon zu Stur⸗ mi's Zeiten die Zahl der Kloſterbewohner auf 400, mit Ausſchluß der Novizen und dienenden Perſonen, geſtiegen ſei, beweiſt allerdings für die raſche Zunahme und das Anſehen des Kloſters, dem aus allen Theilen des fränkiſchen Reiches Männer zueilten, Eltern ihre Kinder darbrachten; aber daraus folgt nun keineswegs, daß die Bevölkerung überhaupt in gleichem Verhältniſſe zugenommen habe. Im Gegentheile waren, als ſchon das Kloſter zu einem bedeutenden Anſehen und zu ruhmvoller Größe gelangt war, noch ganze Strecken des Buchenwal⸗ des, nicht blos in weiter Entfernung von dem Kloſter, ſondern ſogar noch in ſeiner unmittelbaren Nähe, unbewohnt. So wiſſen wir, daß die Gegend, die zwiſchen Hünfeld und Fulda über den Bramforſt ſich erſtreckte, noch unbewohnt war, daß erſt im 12. Jahrhunderte unter dem Abte Heinrich von Kemnaten(1127 1133) der Bramforſt gerodet und daß zu jener Zeit das in dieſer Waldſtrecke gelegene heutige Dorf Rückers nur von zwei Liden zum Schutze des Waldes bewohnt war und erſt von da an ſich zu einem Dorfe entwickelte. Sehr bezeichnend und maßgebend iſt in dieſer Beziehung

¹) Liudger in vita St. Gregorii bei Mabillon, A. S, III. 2, 295.