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geweſen, dann iſt ſchwer einzuſehen, warum nicht ausdrücklich comes, wie das ſonſt überall in den Urkunden geſchieht, dabei ſteht. Ein Centgraf kann es auch nicht wohl geweſen ſein, da wenigſtens nach den Kapitularien Karls des Großen die Entſcheidung über Rückgabe unbeweglicher Güter von der Kompetenz der Centgrafen ausgeſchloſſen war; wohl aber könnte es nach Analogie der Urkunde vom Jahre 825 ein missus comitis geweſen ſein, indem dort ausdrücklich beige⸗ fügt iſt, daß die Zurückerſtattung des ſtreitigen Gutes bereits„coram missis Popponis comitis“ ſtattgefunden habe.
Auf Fricco folgte wahrſcheinlich Rudolf, der auch den Titel Graf führte und 822 eine Urkunde des Abtes Hatto unterſchrieb. Schon wenige Jahre nachher begegnen wir einem neuen Namen. Am 2. Januar 856 fand nämlich zwiſchen dem Abte Hatto und dem Gra⸗ fen Sigihard ein Gütertauſch ſtattꝛ') Der Advokat Gundalahus unterſchrieb die Urkunde und übergab die Güter Namens des Kloſters an den Grafen. ²) Zur Zeit des Abtes Sigihard fand zwiſchen dieſem und einem gewiſſen Meginfrid ebenfalls ein Gütertauſch ſtatt; in der darüber aufgenommenen Urkunde verſieht die Stelle ei⸗ nes princeps advocatus Zazo und als ſolcher nimmt er die Güter in Empfang(889). ³) Dem letzten, noch der Karolinger Zeit ange⸗ hörigen Advokaten begegnen wir 905; er heißt Wolfmunt und nimmt als Vertreter des Abtes Huoggi die von dem Grafen Adal⸗ bert eingetauſchten Güter in Empfang. ⁴)
Wo die drei allgeme inen Grafengerichte, die alle Freien zu beſuchen hatten, abgehalten wurden, darüber finden wir nur wenige Nachrichten in den Quellen. Es wird darum auch die Beſtimmung der alten Malſtätten nur eine ſehr lückenhafte ſein. Nur eine Urkunde⁵) erzählt uns, daß im Jahre 825 am 20. Februar ein ſolcher allgemeiner Gerichtstag des Grafen Poppo und ſeiner gan⸗ zen Grafſchaft im Gebiete von Geismar ſnattgefunden habe, worin über eine Herausgabe von Eigenthum an das Kloſter Hünfeld verfügt wurde. Es iſt das wahrſcheinlich die alte Malſtatt, wo noch im ſechzehnten Jahrhundert die Aebte von Fulda Landtag auf der „Lüntzlinden“ zwiſchen Geiſa und Rasdorf hielten.
¹) Dronke, c. d. nr. 565. Derſelbe heißt in den Urkunden vir inluster und vir clarissimus in pago Wingarteiba.
²) Daß derſelbe zur Zeit der Schenkung Cunihilts(867) Namens des Kloſters dieſe Güter in Empfang genommen habe, davon ſteht in der betreffen⸗ den Urkunde, wie Schannat, h. f. S. 75 angibt, kein Wort. ef. Dronke, c. d. nr. 597.
²) Dronke, c. d. nr. 631.
⁴) Dronke, c. d. nr. 651.
⁵) Dronke, o. d. nr. 456.


