Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch, 2. Abteilung. Das Grabfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

55

zweier Gaue, als das Verſetzen der Grenzorte von dem einen in den andern Gau, würden die Traditionen ſein, wo Ortſchaften aus der Mitte eines Gaues in die Mitte eines andern verlegt werden, wenn auch hierbei die Unterſtellung eines Irrthums ſeitens des Copiſten, insbeſondere hier Eberhard's, in erſter Linie mit zu berückſichtigen iſt, wenn nicht andere Gründe als Stützpunkte noch hinzukommen. Man hat die Annahme einer Vereinigung des Grabfeldes und des Saalgau's ſchon um das Jahr 788 angenommen und das nachzuweiſen geſucht, dadurch, daß Oſtheim und Münner⸗ ſtadt nach einer Urkunde in dem Saalgau liegend angegeben wer⸗ den*) In den Fuldaer Traditionen findet ſich keine Urkunde vom Jahr 788, worin überhaupt Münnerſtadt erwähnt wird, dagegen ſa⸗ gen die 9 Urkunden von den Jahren 770, 796, 808, 811, 812, 814 bis zum Jahre 887, worin es erwähnt wird, wenn man die darun⸗ ter gezählte unechte(816) auch ganz bei Seite ſetzt, unbedingt und ohne Zweideutigkeit, daß Münnerſtadt lediglich nur als ein Ort im Grabfelde liegend angeſehen werden kann. ²)

Als weiterer Beweis wird ſodann aufgeführt, daß Oſtheim ein⸗ mal als im Saalgau liegend bezeichnet wird. Es iſt richtig, daß eine Urkunde ſich findets), in welcher es heißt:in pago Salagewe in villa quae dicitur Ostheim; allein abgeſehen davon, daß dieſe Ur⸗ kunde nur in dem D ruck bei Piſtorius und nochmals bei demſelben in einer zweiten abgekürzten Form, alſo keineswegs in Original⸗ faſſung, vorhanden iſt, würde ſelbſt, wenn feſtſtände, was nicht der Fall iſt, daß das Grabfeld'ſche Oſtheim und nicht das am Main, ſüdl. von Schweinfurt gelegen, gemeint ſei, aus dieſer Urkunde eher das gerade Gegentheil gefolgert werden können, als was ſie bewei⸗ ſen ſoll, da ja gerade hier Saalgau und Grabfeld von einander ge⸗ trennt aufgeführt werden, wenn man nicht vorzieht, es überhaupt für einen Fehler des Copiſten anzuſehen. Das Letztere wird offenbar der Fall ſein auch bei der Urkunde, wonach Kizziche, d. h. Kiſſingen, einmal irriger Weiſe als im Grabfelde liegend bezeichnet wird, wäh⸗ rend alle andern Urkunden vom Jahre 801 bis 841 es richtig in den Saalgau verlegen.*) In gleicher Weiſe beruht der Umſtand, daß in einer Tradition von 780,) die ebenfalls nur in dem Drucke bei Pi⸗

¹) Genßler, J. c. p. 83.

²) Dronke, o. d. nr. 32; nr. 116; nr. 207; nr. 245; nr. 258; nr. 275; nr. 298; nr. 304; nr. 223; nr. 625.

) Dronke, c. d. nr. 131.

¹) Dronke, c. d. nr. 107; nr. 307; nr. 410; nr. 412; nr. 495 und nr. 531. 4

) Dronke, c. d. nr. 70.