Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch, 2. Abteilung. Das Grabfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Haßgau, wie er ſie vom König Arnulf empfangen hat. Es iſt die Urkunde aus Piſtorius bei Dronke abgedruckt; auffallend ſteht auch hier drei Zeilen unter dem offenbar verſchriebenenWetareibono, ein richtigesWetarungu, was mit zu dieſem Schreibfehler Veran⸗ laſſung gegeben haben mag. Hunderte von Urkunden, darunter Ori⸗ ginale, ſetzen das Kloſter in das Grabfeld, und nun ſollte man ſich durch einen ſolchen Schreibfehler, der ohnehin auch noch künſtlich erklärt werden muß, um ihn überhaupt nur verwerthen zu können, veranlaßt ſehen, das Kloſter Fulda etwa auch in die Wetterau zu ſetzen? Nein, ſagt man, das Kloſter Fulda liegt im Grabfeld; das ſteht feſt, aber die Mark, worin es liegt, heißt, weil ſie zum Theil auch in der Wetterau liegt, die Mark der Wetterau. Und alle dieſe Umſtände macht man, um den evidenten Schreibfehler zu erklären, der hier nebenbei auch noch ein Druckfehler ſein könnte, da wir die Abſchrift der Urkunde ja gar nicht mehr beſitzen, ſondern lediglich auf den Druck bei Piſto⸗ rius angewieſen ſind. Im Uebrigen, dies letztere auch ganz bei Seite gelaſſen, ergiebt ſich aus dem Umſtande, daß Eberhard ſich öfters im Leſen und Schreiben geirrt, daß er die Namen der Orte und Gaue verwechſelt, den Inhalt der Urkunden allzu ſehr abgekürzt hat, für uns die Nothwendigkeit, dieſe Bezeichnung, zumal ſie bei der großen Zahl von Urkunden nirgends eine weitere Stütze findet, als Schreib⸗ fehler anzuſehen, denn ſonſt könnte man auch mit demſelben Rechte behaupten, daß das Kloſter Fulda in dem Volkfeld, offenbar ein Schreibfehler, oder in dem Tullifeld liege, wie dies die Urkunden ebenfalls irrthümlich angeben.*) Darum ermahnt auch Sickel'), daß man bei Eberhard große Vorſicht anzuwenden habe, indem nicht immer blos Schreib⸗ und Flüchtigkeitsfehler, ſondern auch ſelbſt die willkür⸗ lichſten Aenderungen in den Urkunden ſich finden, wozu ſich auf jeder Seite Belege ergeben, deren einen großen Theil auch bereits ſchon Dronke nachgewieſen ³) hat. Dazu kommt noch das eigne Geſtänd⸗ niß Eberhards, daß er eine Anzahl von Urkunden wegen ihres hohen Alters und der Unbekanntſchaft mit ihrer angelſächſiſchen Schrift, aus der ſchlechten Beſchaffenheit des Pergaments und der Schriftzüge nur ſchwer habe entziffern können. Wenn man aber ſelbſt bei Original⸗ urkunden auf Schreibfehler ſtößt, der Art, daß Buchſtaben, Silben

¹) Dronke, c. d. nr. 652. Schannat hat die Worte der Urkunde umgeſtellt; damit iſt freilich nichts gewonnen, wie Dronke richtig bemerkt, aber der Schreib⸗ fehler iſt offenbar.

²) Beiträge zur Diplomatik, II. 141.

³) In den Anmerkungen zum cod. dipl. Sickel, Urkundenlehre, I. 341.