9 Empfinden dieſer Notwendigkeit aufgezwungen hat. Dieſes Urteil kann auch nicht weſentlich eingeſchränkt werden durch die ſelbſtverſtändliche Erwägung, daß in dieſer Zerriſſenheit ſich eine deutliche Abſicht kund⸗ giebt, Neues und Brauchbares den Zwecken des Schulunterrichts dienſtbar zu machen.“
Ohne gerade als zu engherzig zu erſcheinen, können wir von den im Franzöſiſchen an unſeren Schulen geleſenen Schriftſtellern ohne jedes Bedenken folgende, als für die Schule ungeeignet, oder mindeſtens überflüſſig ausſcheiden: Ayrolle, Balzac, Barthélemy, Béranger Ausw. ¹), Beaumarchais, Bouilly, Combe, Delavigne, Etienne, Ferry, Florian, Galland, Hugo ¹), Lafontaine ¹), Laurie, Loti, Maigne, Mélesville, Moltke-Jaeglé, Montesquieu²), Musset, Sand, Staël, St. Hilaire.
Ebenſo von den engliſchen Schriftſtellern, bezw. Schulausgaben: Addison, Arabian Nights, Candy, Coll. of longer English Poems(Gedichtſammlung!), Craik, Forster, Gaskell, Geographical Readers, Gordon, Heroes of Engl. Literature, Kipling, Massey, Payn, Southey, Tennyson.
Dies iſt eine recht ſtattliche Anzahl von Namen, die zum Theil in der Litteratur der betr. Völker einen ausgezeichneten Klang haben, zum Teil aber auch keineswegs verdienen, durch Vermittlung der Schullektüre unſeren Schülern vorgeführt zu werden, denn es finden ſich darunter manche Schriftſteller von recht untergeordneter Bedeutung, die in die Reihe der Schulautoren lediglich durch ſpezielle Liebhaberei eingedrungen ſind. Ich weiß wohl, daß ich bei dieſer im Übrigen unmaßgeblichen Ausleſe bei manchem meiner Herren Fachkollegen auf energiſchen Widerſpruch ſtoßen werde, daß der eine den, der andere jenen der angeführten Verfaſſer beibehalten möchte: aber ich möchte zu erwägen geben, daß die Ausleſe noch lange nicht weitgehend genug iſt, um zu einem befriedigenden Reſultat, zu einer einigermaßen erträglichen Kon⸗ zentration der Lektüreſtoffe zu gelangen, daß noch eine ganze Reihe von Einzelwerken der gebliebenen Autoren geſtrichen werden muß. Da es der Zweck dieſer Arbeit ja im Grunde nicht iſt, eine eigentliche Kritik an den geleſenen Werken zu üben, da dies auch der mir hier zu Gebote ſtehende Raum nicht geſtattet, ſo möchte ich, für die franzöſiſche Sprache wenigſtens, hier aufmerkſam machen auf die in ihrer Art trefflliche Arbeit von Dr. Jenrich(Zur franzöſiſchen Schullektüre, Programm 1898 der Kloſterſchule Roßleben), der auf Grund der Müller'ſchen Theſen eine ſtrenge und gerechte Sichtung der Schulausgaben und Schulſchriftſteller vornimmt. Mögen vielleicht manchem die Ergebniſſe ſeiner Auswahl etwas rigoros erſcheinen, darin muß ihm wohl jeder Recht geben, daß dem jetzt herrſchenden Zuſtand geſteuert werden muß und zwar ſo bald wie möglich, wenn nicht der Betrieb und das Ziel des neuſprachlichen Unterrichts Not leiden ſoll.
Mehrfach iſt ſchon angeregt und vorgeſchlagen worden, und auch Jenrich knüpft hieran in ſeiner Abhandlung an, die Auswahl der Leſeſtoffe nicht lediglich für die einzelne Klaſſe und für ein beſtimmtes Semeſter, ſondern vielmehr nach Schülergenerationen vorzunehmen und ſicherlich hat dieſer Modus vieles für ſich und dürfte dem jetzt herrſchenden der willkürlichen Auswahl von Fall zu Fall entſchieden vorzuziehen ſein. Denn nur auf ſolche Weiſe iſt es einerſeits möglich, zwiſchen der Lektüre der einzelnen Klaſſen einen gewiſſen inneren Zuſammenhang zu wahren, als auch läßt ſich hierdurch viel leichter ein Anſchluß an andere in der Klaſſe gelehrte Disciplinen herbeiführen. Daß ſich der innere Zuſammenhang naturgemäß hauptſächlich auf den Hauptteil der Lcktüre, und das iſt die hiſtoriſche, beziehen muß, iſt wohl klar; doch auch viele Stoffe aus anderen Gruppen laſſen ſich unſchwer dem Geſamtgefüge einreihen. Wenn wir die zu leſenden Schriftwerke einteilen in die 3 Hauptgruppen: 1. geſchichtliche und biographiſche Stoffe.
¹) In einer einzuführenden Anthologie von Gedichten vertreten(ſ. u.) ²) Der Grundſatz, alle Werke von der Schullektüre auszuſchließen, die in franzöſiſcher oder engliſcher Sprache die Geſchichte andrer Völker oder Perſonen, als die der Franzoſen und Engländer ſelbſt behandeln, dürfte wohl jetzt allgemeine Anerkennung gefunden haben. Dieſer Grundſatz iſt auch bei Aufnahme der Kanonliſten maßgebend.(Vgl. hierüber auch Timme: über die Auswahl von franzöſiſcher Lektüre, Programm, Hildesheim 1882 pag. 6 und Stange: Über unſere Schul⸗ lektüre im Franzöſiſchen, Programm, Minden 1896 pag. 3.) 3*½


