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Die 12 Einzelwerke, die die Höchſtziffer aufweiſen, ſind:
1. Scott: Tales of a Grandfather 16 mal. 2. Hope: Engl. Schoolboy Life 15m. 3. Marryat: 3 Cutters 14m. 4. Macaulay: Lord Clive 13 m. 5. Dickens: Christmas Carol 11m. 6. Shakespeare: Julius Caesar 11m. 7. Coll. of Tales and Sketches 11m. 8. Jrving: Sketch Book 9m. 9. Jrving: Alhambra 9m. 10. Marryat: Children of the New Forest 8m. 11. Marryat: Peter Simple 7m. 12. Marryat: Settlers in Canada 7m.
Nach Jahrgängen geordnet, ergibt ſich auch für das Engliſche eine anfänglich langſame, i. J. 1899 rapidere Zunahme der Schriftſtellerlektüre: Im Jahre 1894/95 wurde 51 mal, 1895/96 54m., 1896/97 58m., 1897/98 61 m., 1898/99 72 mal geleſen.
Wenn wir, bei Durchſicht der oben aufgeſtellten Tabellen, erwägen, wie viele der angeführten Schrift⸗ werke im Laufe der 5 Schuljahre an den heſſiſchen Schulen nur drei, zwei, ja einmal geleſen wurden, ſo drängt ſich uns gewiß das Gefühl auf, daß auf dem Gebiete der neuſprachlichen Lektüre, wie anderwärts, ſo auch bei uns, eine außerordentliche Zerſplitterung und Regelloſigkeit herrſcht. Dieſe Zuſtände ſind bei uns durchaus nicht ſchlimmer, wie beiſpielsweiſe in Preußen, und wer Reichel's Tabellen durchſieht, wird zu dem Schluſſe kommen, daß die Zerſplitterung dort eher noch größer iſt ¹). Es iſt auch durchaus den Fachlehrern kein Vorwurf daraus zu machen, daß es ſo iſt; der jetzige Zuſtand iſt in der Sache ſelbſt begründet. Die Urſache der Zerſplitterung dürfte einerſeits zu ſuchen ſein in dem Maſſenangebot, ſodann in dem Fehlen einer ſachgemäßen Sichtung dieſes ungeheuren Materials— wozu erſt in allerneueſter Zeit die Anfänge gemacht ſind(vgl. Kanonliſten)— und ſchließlich in der faſt unumſchränkten Freiheit des Einzelnen, die Auswahl der Lektüre nach eigenem Ermeſſen vorzunehmen, ſelbſt an größeren Anſtalten, wo 3, 4 und mehr Fachmänner wirken und wo doch gewiß eine Einigung, eine planmäßige Handhabung dieſes Unterrichtsgegenſtandes leicht zu erzielen wäre.
Die Zahl derjenigen Schriften, die an den 21 Anſtalten nur 1—3mal geleſen wurden iſt unver⸗ hältnißmäßig groß. Daß eine recht beträchtliche Anzahl dieſer Werke keine eigentliche Daſeinsberechtigung als Schullektüre hat, ſowohl was den Autor überhaupt, als auch was das einzelne Werk anbelangt; daß ſie es hauptſächlich ſind, die einer wünſchenswerten Stabilität hinderlich im Wege ſtehen, dürfte nicht zu beſtreiten ſein. Bei andern dagegen iſt das ſeltene Heranziehen zur Schullektüre wohl mehr dem Zufall zuzuſchreiben, denn von manchen dieſer Schriften wäre gewiß zu wünſchen, daß ſie eine größere Ausdehnung im Betrieb unſerer Lektüre finden möchten, mehr jedenfalls wie andere, die einen weit breiteren Raum einnehmen. In dieſer Hinſicht Ordnung zu ſchaffen und gewiſſe Normen feſtzuſetzen, um die Auswahl des Leſeſtoffes in ein regelmäßigeres Fahrwaſſer zu leiten, iſt Sache eines Jeden, der an dieſer Frage näher intereſſirt iſt.
Unter den 137 franzöſiſchen Schriftwerken ſind 51, alſo 51⁄137, oder annähernd ⅛, die nur einmal, und 93, alſo*/13⸗, oder faſt, die 1—3 mal geleſen wurden.(In Preußen 71, alſo eine etwas günſtigere Zahl.)— für das Engliſche erhalten wir faſt die gleichen Zahlen. Einmal wurden geleſen 25 von 80, oder 2²5/60, ebenfalls beinahe 1, 1— 3 mal 5⁵7⁄10, alſo faſt ⁄(in Preußen S).— Alſo nur 1⁄⅛ ſämtlicher der hier vorkommenden zuſammenhängenden Werke wurden mehr als Zmal geleſen; das ſind Zahlen, die zu denken geben und Reichel möchte wohl recht haben, wenn er(Neu. Spr. VII, H. 4, pag. 226) ſagt:„Das ſind Ziffern, die mit deutlicher Klarheit zeigen, wie unabweisbar eine Konzentration des Lektüreſtoffes not thut, andererſeits aber beweiſen, in welchem geringen Grade ſich bisher den Fachkreiſen das bewußte
¹) In Preußen wurden in dem einen Schuljahr 1897/98 an 596 Schulen 320 verſchiedene Schriften im Franzöſiſchen und 205 im Engliſchen geleſen. Vgl. auch die Aufſtellung von H. Schmidt in Altona für das Jahr 1893/94, abgedruckt in Neuere Sprachen III, Heft 9.


