Aufsatz 
Die neusprachliche Lektüre an den höheren Lehranstalten des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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In den 5 Schuljahren wurden 72 verſchiedene Schriftwerke von insgeſamt 39 Autoren geleſen; hierzu treten, wie im Franzöſiſchen, 8 Sammelbändchen, wie Coll. of Tales and Sketches, Rambles through London streets u. g. m., ſo daß die Geſamtzahl 80 beträgt. Im Ganzen wurden dieſe Schriften 297 mal geleſen. Wenn wir in Rechnung ziehen, daß das Engliſche, als fakultativer Lehrgegenſtand, in Bezug auf Schriftſtellerlektüre, am Gymnaſium eigentlich nur in OI in Betracht kommen kann, daß ferner an den übrigen Anſtalten die Stundenzahl für dieſe Sprache eine weit geringere iſt, wie für das Franzöſiſche(am Realgymnaſium 18 gegen 31, an der Realſchule 12 gegen 30), ſo zeigt ſich, daß die engliſche Lektüre, was Quantität des Leſeſtoffes anbelangt, im Allgemeinen etwa in gleichem Maße betrieben wird, wie die franzöſiſche. 4

Nach Schulgattungen geordnet, erhalten wir folgendes Ergebnis:

An den Gymnaſien wurde 107 mal geleſen, faſt ausſchließlich in OI; an den Realgymnaſien 101 mal (9mal in I, 42 mal in II, Omal in III); an den Realſchulen 88 mal(56 mal in I, 28mal in II, 4 mal in III).

Für die Primen und die 1. Klaſſe der Realſchule erhalten wir hiernach folgende Zahlen für den Durchſchnitt auf 1 Jahr:

Für 11 Oberprimen der Gymnaſien 1,9(für U Iiſt Schriftſtellerlektüre nur ganz vereinzelt angegeben); für 8 Ober⸗ und Unterprimen der Realgymnaſien 2,2; für 12 erſte Klaſſen der Realſchulen nur 0,9, wobei jedoch zu berückſichtigen iſt, daß an einigen dieſer Anſtalten die Chreſtomathie bis in die 1. Klaſſe entſchieden vorherrſcht oder auch allein in Gebrauch iſt und daß ferner an der Mehrzahl der Realſchulen pro Jahr und Klaſſe nur 1 zuſammenhängendes Werk geleſen worden iſt.

Für Gymnaſien und Realgymnaſien ergiebt ſich ſomit auch im Engliſchen die Zahl von durchſchnittlich 3 Merl pro Jahr und Klaſſe und zwar ſteht hier das Realgymnaſium mit der Höchſtziffer 2,2 an der

pitze.

Ich gebe in folgender Zuſammenſtellung auch für die engliſche Sprache eine Ueberſicht über den Betrieb der Lektüre an den einzelnen Anſtalten des Landes. Es wurden geleſen: 1. am L. Gg. G. Darmſtadt 4 Werke 10mal. 2. N. G. Darmſtadt 11 W. 11 m. 3. G. Bensheim 7 W. 11 m. 4. G. u. R. Offenbach 9 W. 12 m. 5. G. Mainz 15 W. 18 m. 6. G. u. R. Worms 12 W. 25 m. 7. G. Gießen 4 W. 20m. (auch hier iſt ein regelmäßig wiederkehrender Turnus bemerkbar). 8. G. Laubach 4 W. 4 m.(für 1895 u. 1898 fehlt die Angabe). 9. G. Büdingen 7 W. 7 m. 10. G. u. R. Friedberg 5 W. 6m. 11. Rg. Darmſtadt 26 W. 34 m. 12. Rg. u. R. Mainz 9 W. 11m. 13. Rg. u. R. Gießen 30 W. 50 m. 14. R. Groß⸗Umſtadt (keine Schriftſtellerlekt.). 15. R. Michelſtadt 8 W. 13 m. 16. R. Wimpfen 5 W. 5m. 17. R. Bingen 13 W. 13 m. 18. R. Oppenheim 7 W. 13 m. 19. R. Alzey 7 W. 9m. 20. R. Alsfeld 3 W. 3 m.(nur für 1898 u. 99.) 21. R. Butzbach 4 W. 7 m.

Folgende 12 Schriftſteller ſind die am häufigſten geleſenen: Marryat 42 mal, Scott 30 m., Shake- speare 29 m., Dickens 28m., Macaulay 22m., Irving 20m., Hope 15 m., Coll. of Tales and Sketches 11m., Bulwer 9m., Lamb 8m., Escott 6 m., Byron 6m.

In Preußen iſt, nach Reichels Zuſammenſtellung, Shakeſpeare weitaus der am meiſten geleſene Schrifſteller und es gibt zu bedenken, daß er in Heſſen durch einen Marryat ſo weit überflügelt iſt, der dort erſt an 5. Stelle erſcheint. Wie wir oben geſehen, ſteht im Franzöſiſchen der Klaſſiker Molière weit über allen übrigen an unſeren Schulen behandelten Schriftſtellern; man hätte erwarten ſollen, daß im Engliſchen ein ähnliches Verhältniß in Bezug auf Shakeſpeare zu finden wäre. An den Vollanſialten ſollte jede Schülergeneration wenigſtens 1 Drama des größten engliſchen Dichters kennen lernen, wenn auch ſeine Sprache nicht die des 19. Jahrhunderts iſt, was ja, und zum Theil mit Recht ſo gern hervorgehoben wird, was jedoch, da die Lektüre Shakeſpeare's vorzugsweiſe in die OI gehört, hier nicht allein ausſchlaggebend ſein darf. 3

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