Aufsatz 
Der ursprüngliche und echte Schluß der Odyssee Homers / von Professor Dr. Ludwig Adam
Entstehung
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unüberlegt, wie Polydor, der im Vertrauen auf die Schnelligkeit ſeiner Füße die ihm durch Achill drohende Gefahr nicht merkt). Ja ſelbſt die Götter werden der Torheit beſchuldigt, wie dies durch Juno geſchieht, als ſie dem oberſten Gotte trotzen wollen; denn ſie werden vijmio, dopatvovreg genannt ²), falls ſie einen ſolchen Verſuch wagen ſollten.

Faßt man das Reſultat zuſammen, ſo liegt in vielen Unter⸗ nehmungen der Menſchen eine Unklugheit, die ſie ins Verderben ſtürzt und ſtürzen kann. Teils iſt dieſe Peripetie ſchon an und für ſich in den verwendeten Scenen enthalten, teils hat ſie Homer künſtlich durch beſondere Einlagen geſchaffen²). Wenn nun z. B. Achill nicht ausdrücklich als Tor bezeichnet wird, weil er ſchroff den Verſöhnungsverſuch Agamemnons zurückwies, ſo wußten doch die Alten ſehr wohl, daß er ſich durch ſeine Schroffheit ſelbſt eine uerao⁴) νν αrrousναννν εlς τ ναriov bereitet hatte; denn die von ihm verſchmähten Aerat ſorgten für den Umſchwung der Verhältniſſe. Euſtathius bemerkt deshalb: a do räg dräs n*⁶οςο νππ‿⁴eiς dνα αe dννeᷣνέμν ad σreoονεl ν Haroαous erausderat dμ⁵νο. Auch das Geſchick, das den Meleager ereilt, weiſt deutlich auf einen Glückswechſel im Leben Achills hin ¹).

So ſehen wir, daß überall der Dichter die Peripetie an⸗ gewendet hat, und daß Homer der erſte Rhapſode und tragiſche Dichter zugleich war. Das zweite Erregungsmittel der Tragödie, die zahlreichen Erkennungen der Odyſſee, kommen für den Aufbau der Gedichte faſt gar nicht in Betracht; in der Ilias iſt die dαeνσσα nur einmal verwendet, in der ſich zwiſchen Glaucos und Diomedes abſpielenden Scene, die nach den Scholien einſt an anderer Stelle geſtanden haben ſoll 5).

¹) II. XX. 264 und ebenda 411; vergl. Euſtath. 1214, 34 f.

2) II. XV. 104.

³) Eine der größten iſt durch Verbindung der Monomachie mit der Diomedie entſtanden, indem Homer die Verſe V. 192209 einlegte.

¹) Vergl. Janſen, die beiden homeriſchen Kardinaltugenden, Meldorf, 1854; Euſtath. entwickelt in 717, 16 den Unterſchied zwiſchen»ntsn und winiäa; vergl. 1418, 59 f. und Schol. BM. zu Il. XXIV. 157(186) bei dοσναχοοςσ.

z) II. VI. 118 236; Schol. Venet. A. VI. 119.