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Das iſt aber gar nicht wahr; denn ſowohl XI, 110 f., ſowie auch XII, 137 f., wird die Landung als Tatſache vorausgeſetzt. Aber nur bei ſolcher Annahme, wie ſie in V. 264 f. gegeben iſt, war die folgende Scene, in der Eurylochus auf einer Landung beſteht, möglich. Odyſſeus wird überſtimmt und läßt nun ſeine Gefährten einen furchtbaren Eid ſchwören, die Herden zu ſchonen. Jetzt erfolgt die Landung, und da ſich in der Nacht ein Sturm erhebt, wird das Schiff in einer ſicheren Bucht vor Anker gelegt. Da hält es Odyſſeus abermals für nötig, in einer Verſammlung ſeine Gefährten zu warnen, und zwar in abgeſchwächter Form, während nun erſt recht eine ſehr ernſte Ermahnung am Platze geweſen wäre. Die ganze Stelle XII, 264—319 iſt Einlage des tragiſchen Dichters, der durch ſie den Umſchlag ins Gegenteil erzielte, wie er dies im Proömium ſchon angekündigt hatte. Es iſt alſo nichts an dieſem auszuſetzen, wie Kirchhoff will. Jene Stelle wird auch ſchon dadurch ver⸗ dächtig, daß, wie verſchiedene Gelehrte bemerkt haben, die Verſe 267 ſowie 272, die beide der Weisſagung des Tireſias gedenken, hier nicht recht paſſen, weniger deshalb, weil die Worte: † 1 ⁴α rAdl énéreldev, ſich nur auf Circe beziehen!¹), als weil im XI. B. die Verſe 104—113 zur Verbindung des Noſtos mit der Necyia eingeſchoben ſind.
Wenn der Dichter den Tireſias ſagen läßt:„Du wirſt dem Erderſchütterer nicht entrinnen, weil du ſeinen Sohn geblendet haſt,“ und dann fortfährt:„d4l' ere kal s wawä ne aoνοres noασe, wenn ihr die Rinder des Helios ſchont,“ ſo ſtellt er ja damit die ganze Reihenfolge der Ereigniſſe auf den Kopf, da die Gefährten wegen ihres Frevels zu Grunde gingen, und die Be— ſtrafung des Odyſſeus durch Poſeidon erſt nach ſeiner Abfahrt von Ogygia eintrat, jenes«al ς alſo gar nicht paßt. Merkwürdig iſt es auch, daß Circe von dieſem Zorne des Meerbeherrſchers gar nichts weiß, obwohl ſie alle dem Odyſſeus drohenden Gefahren auf— zählt und ſo die Hadesfahrt überflüſſig macht. Auch iſt es in hohem Grade verwunderlich, daß Poſeidon ſo lange wartet, bis der Held alle Abenteuer überwunden hat, und daß er erſt im 10. Jahre ſtrafend in deſſen Geſchick eingreift. Ebenſo falſch iſt, was der Dichter in
¹) 8 Hdſchr. haben re‿eev, 5: 0?— nre4do" in V. 267, in V. 272 0„ bieten 10: Snroreden, 5: bO— nsre4Aov, darunter eine 3‿sᷣre4de.


