Aufsatz 
Die ursprüngliche Gestalt der Telemachie und ihre Einfügung in die Odyssee / von Ludwig Adam
Entstehung
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ursprünglich in der Telemachie fehlten. Die Theile 673 777 und 785 841, welche. von Penelopes Schmerz über die Abreise des Sohnes handeln, halten wir für noch später, weil man nach der Rede des Antinous erwartet, dass er sofert das thun werde, was erst 778 geschieht. Die Handlung erhält dadurch einen viel hübscheren Abschluss, wenn auf 672 sogleich 778 784 und dann zum Schlusse 842 847 folgen. Endlich scheinen die Scenen mit Penelope hier nur eingeschoben, um ihr späteres Auftreten egen die Freier anzukündigen und zu vermitteln. ¹) Die Erwähnung des Dolios, der erst XXIV 222 wiederkehrt und die Verse 750 ff., die XVII. 48 ff. abermals benutzt werden, scheinen unsere Ansicht zu bestätigen. Wenn dagegen das Wirken Athenes mehrfach erwähnt wird, ²) so ist dies jetzt weniger auffallend, als der Umstand, dass in diesem Zusatze wie in andern eingeschobenen Stellen das Schicksal des Odysseus in der Scene, worin Penelope auftritt, absichtlich bald gewiss, bald ungewiss ist; ³) ja ihr Schmerz ist nicht so sehr wegen des Verlustes ihres Gemahles als wegen der heimlichen Abreise ihres Sohnes entbrannt.) Sollten diese Gründe noch nicht ausreichen, um die ursprüngliche Abwesenheit von 1V 620 847 darzuthun, so weisen wir endlich noch darauf hin, dass weder Odysseus noch auch Telemach den Freiern einen derartigen Vorwurf machen, worin sie die tückische Absicht jener gegen das Leben des Jünglings aussprächen) und dass wir die Stellen, worin dies von Telemach und seiner Mutter geschieht 6), an einer andern Stelle als später eingeschoben nachzuweisen gedenken.

Es ist klar, dass der Einfüger der Telemachie die im I. Buche unterbrochene Götterversammlung von neuem wegen des zu erlassenden Beschlusses des Zeus er- öffnen musste. Dies geschieht V 1 27. Er vergass dabei nicht den Hinterhalt der Freier zu erwähnen, sowie er der von Odysseus an den Freiern zu nehmenden Rache in Vers 23 f. gedenkt. Nachdem der Götterbeschluss ausgeführt und die Erzühlung von den Irrfahrten des Odysseus bis zu seiner Ankunft bei Eumäus gelangt ist, kehrt er im XV. Buche zu Telemach zurück. Die Andeutung dieses Planes findet sich im XIII. Buche, wo Odysseus durch Athene über seine häuslichen Verhältnisse Aufschluss erhält. Unsere Erwägungen über deren Auftreten überhaupt, über den auch hier nicht vergessenen Hinterhalt der Freier, die deutliche Bezeichnung der Geschenke, welche Penelope nach 378 von den Freiern erhalten soll, genügen allein, das Urtheil Kirchhoffs zu bestätigen, wonach das Auftreten Athenes auch hier nicht ursprünglich ist. Wir müssen uns bezüglich dieses Punktes das Weitere vorbehalten und gehen zum XV. Buche über.

Hier hat der Einfüger uns die Sache erleichtert. Muss es schon auffallen, dass Athene, die schon XIII 439 f. nach Lacedämon gegangen sein soll, erst am folgenden Morgen dahin zu gelangen scheint, so ist es gewiss noch viel ungereimter, dass Tele- mach, der IV 596 ff. nach Hause eilt, die ganze Zeit hindurch, während deren Odysseus sein Floss baute, 20 Tage unterwegs ist, sich bei den Phäaken und Eumäus aufhält, ohne Angabe jeglichen Grundes bei Menelaus bleibt. Obgleich aber der Scholiast XV 2426 streichen will, öxιOQ⁶εέντ το̈τν εέραμσαεανιι‿*παωσμ, so müssen wir den- noch auch diese für unsern Einfüger beanspruchen, da der Widersprüche mehr vor- handen sind. Dagegen glauben wir, dass 36 42, welche gar zu sehr mit der dem Telemach in 14 ff. anempfohlenen Eile contrastiren, um so mehr spätere Zuthat eines andern sind, weil Telemach nach XV 503 f. am Abende wieder zu Hause sein will, und sich darthun lässt, dass die darauf begründete Erkennungsscene zwischen Odysseus und seinem Sohne spätere Einlage ist. Die Gründe, welche Athene zur Beschleunigung der Abreise anführt, während sie selbst hier dem Telemach ohne jegliche vermittelnde Gestalt erscheint, sind ein Ausfluss des zweiten Motives. Er soll sich eilen, wenn er seine Mutter noch zu Hause treffen will, Eltern und Verwandte fordern diese auf,

¹) Vergl. besonders XVI 409 fl., 431 fl. ²) IV 653 ff., 712 f., 750 fl., 795 ff., 807, 826 ff. ³) IV 713 f., 831 ff., 836 f., vergl. 724= 814.) IV 819. ³) XXII 35 ff. vergl. XVI 240 ff.) XVI 409 ff., XVII 45 ff.