Aufsatz 
Die ursprüngliche Gestalt der Telemachie und ihre Einfügung in die Odyssee / von Ludwig Adam
Entstehung
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Vermuthung, sowie wir die Notizen der Scholien über andre Lesearten würdigen lern- ten und ihren Ursprung erkannten. Im 4ten Buche tritt Athene nicht mehr auf und die Arbeit ist uns dadurch sehr erleichtert. Dass die Stelle über Odysseus(498 und 548 569) eingeschoben ist, haben wir früher nachgewiesen und durch neue Beweise gestützt. Wie sehr Menelaus von dem Tode des Helden ohne Kunde geblieben und dessen Schicksal ungewiss ist, geht aus mehreren Stellen hervor ¹), so dass eigentlich die Frage Telemachs nach seinem Vater, da er ja doch von dessen Tode überzeugt scheint ²), überflüssig ist. Indessen sind in dieser Frage, die fast mit denselben Versen wie die an Nestor gerichtete eingeleitet erscheint ³), 319 321 entschieden zu ver- werfen, weil sie eben ein Ausfiuss des zweiten Motivs sind. Vers 319(o? ½ S009) ist aus I 91 f. und 321 aus I 368 genommen und in ersteren auf die grosse Zahl der Freier und die Masse des geschlachteten Viehes deutlich hingewiesen. ¹) Es folgte also auf 318 ursprünglich 322. Wie sehr man aber bemüht war, das Schicksal und die Wiederkunft des Odysseus ungewiss zu machen, dafür liefert wieder das Folgende einen schlagenden Beweis. Denn während Menelaus in 341 ff., ganz der Situation und seinen eignen Aeusserungen, nach welchen man das Schlimmste für Odysseus be- fürchten musste, entsprechend, nur einen frommen Wunsch ausspricht, wie man es zum Troste Trauernder zu thun pflegt, stellt er in den Versen 335 340 des Helden Rückkehr als ganz gesichert hin und widerspricht sich so in demselben Athemzuge. Der durch 333 f. veranlasste Vergleich gehört, wie Düntzer richtig gesehen hat, nicht hierher und ist aus dem gleichen Grunde eingeschoben, wie die übrigen Stellen über Odysseus.

Nachdem nun Telemach aus Gründen ein längeres Verweilen im Hause des Me- nelaus abgelehnt und um Umtausch der angebotenen Gastgeschenke gebeten hat,) verlässt ihn plötzlich der Dichter, um erst im 15. Buche zu ihm zurückzukehren. Es ist aber klar, dass sich XV 120 vortrefflich an IV 619 anschliessen würde. Statt dessen kehrt der Dichter zu den in IV 3 14 erwähnten Hochzeitsgästen zurück und gedenkt ihrer in den Versen 621 624. Wenn nun auch die Verse 314, welche von Aristarch nach dem Zeugnisse des Scholiasten um 15 19 vermehrt worden sein sollen, einerseits der Absicht entsprungen sind, um die Fremden im Hause des Mene- laus ein ähnliches Fest feiern zu lassen, wie im 3. Buche bei Nestor, so hat andrer- seits der Einfüger der Telemachie offenbar durch sie und 621 624 einen günstigen Uebergangspunkt zur Anfügung des Hinterhaltes der Freier gewonnen und durch das Zurückgreifen auf die erste Handlung, die in dem Buche beschrieben wird, jenen um

so fester mit dem Ganzen zu verbinden gesucht. Wir baben schon oben darauf hin- gewiesen, auf welch schwachen Füssen der Hinterhalt ruhe; denn die Stellen II 262 266, 318 320, 367 370 und 382 392 widersprechen der redlichen Absicht der Freier, dem Telemach Schiff und Mannschaft zu stellen. Da aber jene Stellen grade da vorkommen, wo auch Athene auftritt, so erhellt, dass dem Verfasser der Stücke, die das Auftreten der Göttin behandeln, auch der Hinterhalt der Freier zugeschrieben werden muss. Diese erscheinen daher auch plötzlich, von feindlicher Absicht beseelt) und zur Bestätigung unserer Darlegung ebenso plötzlich in grosser Zahl.) Aus diesen Widersprüchen ergibt sich, dass IV 620 847 und mit ihnen 3 14 und 621 624

¹) Vergl. IV 107 ff., 164 ff., 181 ff., 195 f. ²) Z. B. IV 292 f. ³) IV 322 331= III 92101. ) Selbst die geschlachteten Rinder(IV 320= I 93) mit den späteren Berichten verglichen, worin nur von Ziegen und Schweinen selbst an hohen Festtagen die Rede ist[XIV 19, 26 f., 105 ff., XVII 212 f. XX 162 f. 173 ff. dagegen XX 185 f. nur Bo5y ecerbay(nicht h 05) und mioyas lc] müssen auf die Verschiedenheit der Telemachie und der übrigen Odysee aufmerksam machen, wührend man bei dem Ein- schube derselben natürlich all diesen verschiedenartigen Bestandtheilen wird Rechnung zu tragen ge- sucht haben. ³) IV 594 ff.) IV 641 ff, 660 ff., 676. 700 f., 740 f., 770 f., 789, 843, 847.) Nach- dem die Anknüpfung an das Frühere(II 382 ff.) durch Noemon(630, vergl. 650) gewonnen ist, lässt der Einfüger hier viele Freier auftreten 665, 669 f., wo Antinous sich 20 Gefährten ausbittet(= 778, vergl. XV 28), 784(= XVI 360), 822.