Aufsatz 
Die ursprüngliche Gestalt der Telemachie und ihre Einfügung in die Odyssee / von Ludwig Adam
Entstehung
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noch bemerkt: ¹)Diese Verse sind leeres Gerede, durch dessen Wegfall die Rede be- deutend gewinnt, war also ganz unnöthig und ihr Erbieten, selbst ein Schiff, wenn- gleich in Mentors Gestalt, zu beschaffen, ganz und gar unmotivirt, weil sie ja nach- her als Telemach solches zu erhalten sucht. ²) Und wenn nahes Verderben den Freiern bevorsteht, ³) warum lässt sie den Telemach überhaupt fortziehen und warum fragt Telemach gar nicht nach Erklärung einer solch dunkeln Redeweise? Wie sehr aber die ganze Stelle als später zu betrachten ist, geht noch endlich daraus hervor, dass, wie Düntzer bemerkt hat und wie man auch erwarten musste, Telemach nicht exναουνμε νοο sondern zerννιαμέινοο heimkehrt. Es folgte demnach 298 sofort auf 261.

Hieraus ersieht man wieder, dass Athene in der Telemachie ursprünglich nicht die Reisebegleiterin des Jünglings war. Vergleichen wir aber den Parallelismus zwi- schen Athene und Pisistratus als Begleiter des Telemach und bedenken, dass erstere am Ende des III. Buches verschwindet, so haben wir, weil jetzt Pisistratus auftritt, daraus den Schluss zu ziehen, dass der, welcher die Telemachie einschob, diesen Um- stand benutzte, um durch Einführung Athenes auf einfache und keineswegs unge- schickte Weise die Verbindung der Telemachie mit der Odyssee zu ermöglichen.

Die Freier halten nicht viel von dem Vorhaben Telemachs. Sie zweifeln an der Ausführung oder ergehen sich in Spottreden; einer hofft sogar, dass auch er, wie sein Vater auf der Reise umkommen werde. 4) Sie haben daher auch gar keinen Grund, ihm Schiff und Leute vorzuenthalten, wie Telemach uns in den Versen 318 320 glauben machen will. Sie sind ebenso sehr spätere Zuthat, wie 262 ff. und 359 372, wo die Freier bereits auf Telemachs Tod sinnen sollen. Wie sehr dies aber dem Vorhergehenden und den Absichten der Freier widerspricht, geht aus der oben be- tonten Bereitwilligkeit derselben, ihm Schiff und Mannschaft zu stellen, hervor und erhellt auch daraus, dass sie glauben, auch ohne ihr Zuthun werde vielleicht Telemach dem Schicksale seines Vaters verfallen. Der Umstand, dass 359 f. aus 214 f. ge- nommen sind, dass Telemach sich auf Athene beruft, welche ihm den Rath gegeben

habe und endlich, dass nach den Scholien sowohl 359 als 327 Zenodot nicht Koyry-

las, bestätigen, dass 327 und 359 372 eingeschoben sind und auf 358 ursprünglich 373 folgte. Denn aus den Vorbereitungen, die Euryklea treffen soll, geht hinlänglich schon hervor, dass Telemach eine Reise zu machen beabsichtigte, was durch deρμν 9εονs bestätigt wird, so dass man an der Nichterwähnung des Reiseziels einer Dienerin gegenüber keinen Anstoss nehmen darf, zumal die übrigen Ithakesier es alle kannten.

Schon oben haben wir gezeigt, wie wenig haltbar die Verse 381 392 sind, die auch von Düntzer verworfen werden. Die Freier hatten zweimal dem Telemach Schiff und Mannschaft versprochen, Athene das ihm ohne Grund in Mentors Gestalt ange-

¹) 2u II 273 284. ²) II 382 fr. ³) II 283 f.) II 255 f. 323 ff.