Aufsatz 
Die ursprüngliche Gestalt der Telemachie und ihre Einfügung in die Odyssee / von Ludwig Adam
Entstehung
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dass die Leichen der Freier theils in der Heimath begraben, theils auf Schiffe ver- laden worden wären. Es hängt also auch der nach den Alten unächte Schluss der- Odyssee mit jener Vielheit der Freier zusammen, die ein Attribut des zweiten Motives ist. Dagegen deuten die Verse 163 167, zumal in der Telemachie nur Ithakesier und nur Freier aus Ithaka auftreten, auf einen von unsrer heutigen Odyssee und von den Ausführungen jenes zweiten Motivs verschiedenen Schluss hin, wesshalb auch der Dichter von 2 Adlern, welche aus dem Gebirge kommen, in 146 ff. spricht(Vergl. I. 293 ff.) Man darf an dem Entschlusse des Telemach, selbst auf Reisen zu gehen, um endgültige Nachrichten über den Verbleib seines Vaters einzuziehen, keinen An- stoss nehmen, weil er jetzt dem Treiben der Freier ein Ende zu machen entschlossen ist. ¹) Es ist eben der letzte Versuch, zu welchem er sich durch die Worte des Sehers ermuntert fühlen musste. ²) Da sein Entschluss und dessen vorausgesetzte Folgerungen ³) aber wenig zur Odyssee und deren Ausgang passen, so hielt es der Verfasser des I. Buches für nöthig, durch die von den Erklärern verworfenen Verse 293305, die den vorhergehenden widersprechen, nach unserm Dafürhalten aber auf den ursprüng- lichen Ausgang der Telemachie hinweisen, das endliche Schicksal der Freier, zu welchem auch Telemach beitrug, anzudeuten. Wir können nicht umhin, hier zu be- merken, dass, wenn Telemach in dem kretischen Exemplare der Telemachie zu Ido- meneus ging und dort die Irrfahrten seines Vaters hörte, dieses Gedicht nicht beim Einschube in die Odyssee benutzt werden konnte, aſen unsere Ausgabe, worin die Nosten der Achäer zwischen Nestor und Menelaus in der Erzählung vertheilt waren, in welche dann jene Stelle über Odysseus eingeschoben wurde, um die Beziehung zur Odyssee herzustellen. Die Verse 218 223 aber sind, weil sie ganz allgemein ge- halten, auf jeden beliebigen Ausgang der Odyssee passen, ja gradezu in ihrem ersten Theile nur auf die eingeschobene Telemachie sich beziehen, da Telemach trotz der über seinen Vater erhaltenen Nachrichten, nichts zu dessen Rettung thut, zu verwerfen, was auch aus der Weissagung des Halitherses und der später noch Bareegenden Absicht Telemachs erhellt.

Wie man übrigens bei solchen Einschiebseln verfuhr, ergibt sich wieder deutlich

aus II 262 297. Indem Telemach in dem Gebete zu der Göttin seine Zuflucht

nimmt, die ihm gestern erschienen sei, macht er sich gradezu einer groben Unwahr- heit culqig. Denn die Freier haben sich zwar geweigert, sein Haus zu verlassen, dagegen mit grösster Bereitwilligkeit Mentor und Halitherses beauftragt, das für die Reise nöthige Schiff zu besorgen. ¹) Ja der Hauptgegner Telemachs, Antinous, ver- spricht noch einmal besonders dem Jüngling die Erfüllung seines Wunsches bezüglich dieses Punktes. 5) Die Bemühung Athenes, zu deren Rede Düntzer an einer Stelle

¹) II 212 ff. vergl. 314 fl. ²) II 161 165. ²) II 218 223=1 287 292. ¹) II 253 ff. ³) II 306 ff. 3