Schuld vorhält, dass sie zu seinen Lebzeiten um sein Weib gefreit und sein Ver- mögen verprasst hätten.) Es konnte daher von dem zweiten Motive mit allen seinen Folgen keine Rede sein und alle jene Stellen, welche aus diesem Motive entspringen z. B. von der Darbringung von Geschenken ²) müssen als der ursprünglichen Odyssee fremd bezeichnet werden. Dass man nun aber, da in dem zweiten Motive das Schick- sal des Odysseus ein ungewisses war, ³) bei Einfügung des auf dem ersten beruhenden Gedichtes, der Telemachie und des XI. Buches, worin ursprünglich nur vom Tode des Helden die Rede sein konnte, in die bereits mit beiden Motiven zersetzte Odyssee eine Ausgleichung vornehmen und auch hier sein Schicksal zweifelhaft machen musste, um keinen Widerspruch zu erzeugen, das ergibt sich mit Nothwendigkeit nicht nur aus den von uns entwickelten Thatsachen, sondern auch aus den Scholien selbst.
Ehe wir jedoch dieses Thema weiter verfolgen, sei es uns vergönnt, eine Muster- ung derjenigen Stellen vorzunehmen, worin sowohl viele Freier als auch wenige genannt werden.
Bei Aufzählung der vielen Freier rechnen wir natürlich alle jene Stellen mit, worin im Gegensatze zu andern von Dienern, Herolden derselben, von der Masse des Verzehrten die Rede ist.*) Wir haben schon oben dargethan, dass diese grosse Menge ein Ausfluss des zweiten Motives ist, fügen aber hier noch hinzu, dass eine weitere Erwägung bezüglich der Ausführung der Rache von selbst auf eine geringe Anzahl derselben den denkenden Leser führen muss. Denn wenn, nachdem Leiodes den Bogen zu spannen versucht ⁵) und Melanthius Feuer angezündet hat, die Bemühun- gen aller 108 Freier ⁶) bis auf Eurymachus und Antinous in zwei Versen (184 f.) abgethan werden, dagegen letztere nach der Erkennungsscene zwischen Odysseus und den beiden Hirten ⁷) noch mit der Spannung beschäftigt gewesen sein sollen, so ist dies ebenso auffallend und ungereimt, als wenn nach dem Falle der beiden Anführer, jetzt andre genannt werden, welche dozſf d&οœαν εειο Aισισο, während dieses Lob sonst nur dem Eurymachus uud Antinous zukommt. ⁵) Noch wunderlicher ist es, dass Odysseus und seine Gefährten erst, nachdem schon die
Freier durch die tödtlichen Geschosse in dichten Reihen dahingestreckt sind, ⁹) an ihre vollständige Bewaftnung denken, um den Massenkampf zu beginnen; ¹⁰) ja Telemach- der schon vorher gerüstet ist und am Kampfe theilgenommen hat, ¹¹) soll sich zum zweiten Male gerüstet haben. ¹²) Erst jetzt erscheint auch Athene mit ihrem wunder-
¹) XXII 35 ff. ²) XI 117, XIII 378, XV 18, XVI 387 ff., XIX 524 ff. XXI. 161 ff. ³) Vergl. 2. B. XX 339 f. ⁴) 1 91 f. 106— 112, 146 f. 245— 248, III 212 ff., IV 319 f., 665, 669, 778, 784, 822, XV 28, 328 ff, XVI 244— 253, wo im Gegensatze zu andern Stellen nur 8 Diener, der Herold Medon und der Sän- ger genannt werden, welcher Widerspruch später erklärt werden wird; XVI 360, XVII 67, 212 ff., 269, 406 f., 534 f., 564, 590, 596 f. 605, XVIII 76 vergl. 119, 125, 247 f. 291, 390 f., 423. XX 30, 40, 47 ff., 105 ff., 287 f., 313. XXI 270 f. 346 f., XXII 204, 263, 282, 299, 383 ff., XXIII 303 f., XXIV 417 f. ³) XXI 144 ff. ⁶) XVI 245 ff. ²*) XXI 175— 245. ⁸) XXII 244= IV. 629. ⁴) XXII 118. ¹1⁰) XXII 99 ff. 11) XXI 431 ff. vergl. XXII 89 ff. ¹¹) XXII 103, 113 f.
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