Aufsatz 
Die ursprüngliche Gestalt der Telemachie und ihre Einfügung in die Odyssee / von Ludwig Adam
Entstehung
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wachsen sei und dass man diesen Zeitpunkt für gekommen hielt, geht mehr als zur Genüge aus dem Zwiegespräche des Jünglings mit seiner Mutter hervor. ¹) Wir be- greifen jetzt, warum die Eltern und Brüder des Odysseus Frau drängen, sich wieder zu verheirathen, ²) warum Telemach das Treiben der Freier mit Unwillen erträgt, ³) wie Athene den Charakter Penelopes bei der langen Abwesenheit des Jünglings ver- dächtigen kann, 4) warum der erwachsene Telemach die Entfernung der Mutter aus seinem Hause wünscht, 5) und für diesen Fall noch Geschenke ihr anbietet. 6)

Noch klarer aber wird die Sache, wenn wir den Zweck betrachten, den diese vielen Freier zu erstreben suchen. Den besten Aufschluss geben uns darüber des Agelaus Worte, der dem Telemach räth:

dA* dye off rde uνννπι τταιο³ιμειοιαενοο εᷣυ³εεοωνν viιααανν Ʒυστιι υιιοοο dvjio xαl πανεᷣνuαmωόꝓ, 6 olα σ ¶νφσενοοσQṽxõrcre deu dvra, 09ν εα πωενωμν,* α2% 2 2Oℳ⁴H.)

Also mit Geschenken werben die Freier um Penelopes Hand, nicht soll Telemach des väterlichen Erbes noch der Königswürde beraubt werden, sondern die Mutter soll des Odysseus Haus verlassen, so wie es ihr Gemahl bei seinem Abschiede gewünscht. Sie wird also trotz ihres Alters noch als schön vorausgesetzt und wenn auch der Zahn der Zeit ihrer Schönbeit etwas Abbruch gethan hatte, die hülfreiche Hand Athe- nes ersetzt es dreifach wieder. 8) Diesem Zwecke steht der aufs schroffste entgegen, den Antinous und seine wenigen Genossen aus Ithaka verfolgen: ihnen ists nicht so sehr um den Besitz Penelopes zu thun als vielmehr um die Königswürde in Ithaka, was Eurymachus XXII. 48 ff. offenherzig eingesteht:

d4* oh)εν½ ⁷1e ετασαι, s ιοο ilero d⁴eεουν Aelr ονοο v⁴ο eπνεν dοe εοꝓνσᷣα 0⁶ α mOηαἀμ ετσσοωο αινοο ον⁶ς εαςμεαων‚ dA* Ʒ⅜Ʒ‿‿ oονειανν, oi Odx er4deode Koovlon, 6 9 Oh IS d⅜eαν ατ‧ ˙ϑμ 6d2r⁵⁴ινν ⁶ρααεκ⁴ο⁵. Wenn es aber die Erreichung eines solchen Zieles galt, so ist es ersichtlich, dass die ithakesischen Jünglinge sich die Königswürde nicht noch von Fremden streitig machen lassen konnten; im Gegentheile grade dieses Bestreben schliesst an und für sich die Bewerbung von Fremden aus. Ausser jener eben angeführten ist aber auch noch an andern Stellen von der Königswürde die Rede.) Welche Schlüsse nun aus beiden sich entgegenstehenden Motiven zu ziehen sind, ergibt sich um so leichter, als Odysseus beim Angriffe auf die Freier ihnen als ihre

¹) XVIII 215 ff. vergl. Telemachs Antwort 226 ff. ²) XV 16 ff., XIX 157 ff. ³) XIX 157 ff. XX 304 ff.) XV 17 23. ³) XIX 530 ff.) XX 338 ff. ²) XX,S334 ff. ³) XVIII 187 ff.*) I 117, 385 ff. 390 396, 400 f., XI 184 fl. XV besonders 518 522, 534 f.