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Der Umstand nämlich, dass Odysseus in der Stelle, wo Proteus das Schicksal der heimkehrenden Helden verkündigt und in den Versen 105— 111 des V. Buches als dem Zorne Athenes mitverfallen und in den bei Euböa von ihr erregten Sturm verwickelt gedacht wird, widerspricht entschieden dem Motive, das dem Nostos des Odysseus zu Grunde liegt und auf Poseidons Zorn zurückgeführt wird. Athene zürnt den Griechen und sendet ihnen Sturm auf der Heimkehr, weil der lokrische Ajax Kassandra im Tempel Athenes vergewaltigt hatte. 1) In dem Nostos des Odysseus dagegen ist der Zorn Poseidons das durchgreifende Motiv: kaum sticht der Held in die See, so entführt ihn schon der Sturm zu den Kikonen und kaum ist er dem Ver- derben dort entronnen, so wird er von neuem davon erfasst und gezwungen, zwei Tage und Nächte am Lande zu bleiben. ²) Die andern Griechen dagegen ereilt der Sturm erst bei Euböa und freundlich gesinnte Gottheiten greifen hier ein, um ihre Schützlinge zu retten.*) Allerdings muss es dabei auffallen, dass nicht auch Athene sich ihres Helden, des Odysseus, annimmt, um so mehr annimmt, da ja der Zorn Poseidons erst mit dem dritten Abenteuer motivirt wird, während man dem Kunst- gesetze gemäss und nach der ganzen Darstellung der Irrfahrten des Helden erwarten musste, dass das Motiv schon vor dem ersten Abenteuer angegeben wurde, grade so wie in der Odyssee durch den Zorn Athenes von vornherein das Unglück der heim- kehrenden Achäer begründet ist. Dennoch und obgleich im Nostos des Odysseus auch noch andere Motive unterlaufen, ist an vielen Stellen und durchgehends nur vom Zorne Poseidons als dem Hauptmotive die Rede.4) Wenn wir nun auch den letztern Punkt einer besondern Untersuchung vorbehalten müssen, so ergibt sich doch schon jetzt aus diesen Erwägungen, dass die Motive der Nosten der Achäer und des Nostos des Odysseus verschiedene sind, dass schon aus diesem Grunde allein der Held nicht in jenen Zorn Athenes verwickelt gedacht werden kann, weil er dann ganz und gar unschuldig hätte leiden müssen und zwar um so unmotivirter, da im Gegensatze zu anderen Gottheiten ihm seine Schutzgöttin nicht hülfreich zur Seite steht. Der Scholiast will freilich aus ganz andern Gründen die Verse 105— 111 des V. Buches nicht gelten lassen: Treoεττο* ο σ⁵νοο mα˙ ττο⁶ςσ τυνν εαασπτοοασν μά̈α̈αμμενοινqοι νς να ο α νmσ iijs AO*ς νέιν Ʒενιννν να οd ³οα mαωντο, O0 œασες τ* v»iο ποωεσεν
) Odyss. Schol. I 327, III 135. Jl. Schol. XIII. 66. Pustath. 1420, 44; 1460, 30. Procl. Chrest. b. Westphal, script. metr. gr. I. 240, Verg. Aen. I. 43 ff.; VI. 482; XI. 259; besonders Lycophron Cass. 357 ff., Tzetzes zu Lycophr. 361 ff., Strabo VI. 14; Quint. Smyrn. XIII. 420 ff. Wenn Düntzer(Homer.
Abhandlungen S. 418 u. 420) daran Anstoss nimmt, dass bald Zeus(III. 132, 152, 160, 288, V. 132,
IX. 38, 67, XII. 405, 415) bald dεεα(III. 131) bald(IV. 351) als Urheber des Sturmes bezeichnet werden, so vergisst er, dass Atbene zur Ausführung ihres Zornes der Beihülfe der übrigen Götter bedurfte. (Vergl. Eurip. Troad. 78 ff.) Daher wirkt Poseidon IV. 500 mit und bringen ihm Nestor und Diomedes Dankopfer(III. 178 ff.) ²) IX. 39, 67 fl. ³) IV. 500 ff., 511 f. ⁴ Od. I. 19 f., 68— 79; V. 282 ff., 339 f. 423, 446, VI. 324— 331, VII. 271, VIII. 564 ff.; XI. 100 ff. XIII. 125 ff.; 339 ff.; XI. 121— 134= XXIII. 267— 281..


