Aufsatz 
Zur Technik des geographischen Unterrichtes / von K. Gaquoin
Entstehung
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anwendeten, orientieren ſie ſich raſch auf der Karte; ſie achten ohne weitere Reflexion und wie unbewußt auf Dinge und Verhältniſſe, die hundert Anderen entgehen. Ihnen erſcheint wohl auch das geogr. Zeichnen im dargelegten Sinne überflüſſig und zeitraubend. Wird von ihnen eine Skizze verlangt, ſo liefern ſie eine ſolche nach dem vorliegenden Kartenbilde oder aus dem Gedächtniß in leidlicher Ausführung. Nun liegt aber das Durchſchnittsniveau der Begabung nach dieſer Seite hin heutzutage erheblich niederer. Der Durchſchnittsſchüler ſieht ſeine Karte vielleicht mit Aufmerkſamkeit an; wird er aber gezwungen, das Auf⸗ gefaßte ſkizziert wiederzugeben, ſo wird er zehnmal anſtoßen und zur Karte ſeine Zuflucht nehmen müſſen. Erſt durch ſeine Skizze wird er auf ſeine lückenhafte und oberflächliche Auffaſſung des Kartenbildes auf⸗ merkſam und lernt durch wiederholte derartige Uebungen beſſer aufmerken. Die Skizze wird für ihn eine Schule der Anſchauung. Das Schema, nach der oben erwähnten erſten Forderung, bildet übrigens für manche Schüler eine nur anfangs unentbehrliche Unterſtützung; es hat ſeinen Zweck erfüllt, wenn es nach öfterer Wiederholung ſich ſelbſt überflüſſig macht und zur freien Wiedergabe befähigt hat. Viele Schüler aber werden eine ſolche Unterſtützung nie entbehren können.*)

Eine andere Frage iſt die, ob ſolche unentbehrlichen Unterſtützungsmittel in gedruckter Form im Kreiſe der Schüler zu verbreiten ſind. Der Grund, aus dem Th. 7 Fauſtzeichnungen in gedruckter Form vom Unterricht ausſchließt, kommt hier nicht in Betracht, da auf dem beſchriebenen Weg die Karte unbe⸗ dingt das Erſte und Letzte iſt und zudem das Material im Detail gar nicht vorgedruckt iſt, vielmehr gleichfalls erſt von der Karte abzuleſen und in den nachzuzeichnenden Umriß einzutragen iſt. Haben aber die betreffenden Reductionen allerdings im Unterricht an der Tafel zu entſtehen, ſo dürften meiner Anſicht nach für die häuslichen Repetitionen gedruckte Vorlagen wenigſtens für die Zeichnungen der Territorial⸗ umriſſe vortheilhaft ſein.

Jedenfalls aber ſind derartige Hülfsmittel für viele Lehrer der Geographie werthvoll. Nicht jeder Lehrer, vielleicht die wenigſten nach dem heutigen Stande der Vorbildung, ſind im Stande in wenig Mi⸗ nuten die erforderlichen Skizzen an der Tafel zu entwerfen. Die meiſten bedürfen dazu ſolcher Anhalts⸗ punkte und haben nicht die Zeit, ſich dieſelben ſelbſt aufzuſuchen, da die weiteren Aufgaben dieſes Unter⸗ richtes**) ihre ganze für die Vorbereitung verfügbare Zeit in Anſpruch nehmen. An der Hand ſolcher Hülfsmittel aber kommt nach einiger Uebung auch der im Zeichnen Ungeübte und dafür weniger Begabte dazu, das jedesmalige Penſum für die Einübung raſch an die Tafel zu werfen.

In dieſer Erwägung übergebe ich meinen Herreu Collegen nachfolgende 11 Tafeln mit der Bitte behufs wohlwollender Beurtheilung Folgendes im Auge zu behalten. Zunächſt konnte ich aus dem ange⸗ deuteten Grunde nur eine kleine Auswahl von Zeichnungen für das Programm zur Verfügung ſtellen. Dieſe Auswahl aber iſt mehrfach, wie auch die Reihenfolge, durch ganz zufällige Momente beeinflußt wor⸗ den, zumal ſich nicht von vorn herein mit Sicherheit überſehen ließ, wie weit der bewilligte Credit reichen konnte. So mußte ich z. B. den Auſtral⸗Continent in die bereits fertig geſtellte elfte Tafel einflicken, als ſich herausſtellte, daß eine zwölfte Tafel nicht mehr zugegeben werden konnte. Aus demſelben Grunde unterblieb eine Andeutung der Flußgebiete und Gebirgszüge bei Amerika. Vieles iſt für den Fall einer Ueberarbeitung nur verſuchsweiſe eingeſtellt zur Anregung einer Beſprechung, wie z. B. Gradandeutungen, Linien und Flächenmaße. Letztere dürften füglich zur Abſchätzung dem mündlichen Unterricht überlaſſen bleiben. Jedenfalls aber hat eine Zahl, die der Schüler durch Ausrechnung ſelber gefunden hat, wenn

*) Wohl fallen freilich, ſobald die Repetitionen eines Gebietes aufhören, auch nach Anwendung dieſer Methode viele geogr. Daten der Vergeſſenheit anheim; es hinterläßt jedoch das angedeutete Verfahren eine lebhafte Anregung zu ge⸗ legentlichem Weiterausbau und im Gedächtniß eine Spur, die einer Auffriſchung leichter fähig iſt, als auf jedem anderen Wege.

**) Ich will bei dieſer Gelegenheit bezüglich der weiteren Aufgaben des geogr. Unterrichtes nicht unterlaſſen, auf die höchſt anregende Arbeit des Oberlehrer M. Sachſe zu Meerane, Oſterprogramm 1878 aufmerkſam zu machen, deſſen Standpunkt ich nur hinſichtlich der ſog. zeichnenden Methode nicht theilen kann. Eine Beſprechung dieſer Arbeit, wie ich ur⸗ ſprünglich beabſichtigte, geſtattet mir leider der Raum nicht.