Aufsatz 
Zur Methode des französischen Unterrichts / von Kühn
Entstehung
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Lektionen des Anfangs überschlagen werden. Was von den bisher üblichen Ausspracheregeln praktischen Wert hat, merken die Schüler meist von selbst oder eine kurze Bemerkung des Lehrers genügt, um sie darauf hinzuweisen.

Es kann nicht im Plane der Schule liegen, dem Schüler eine besondere Fertigkeit im mündlichen Gebrauch der französischen Sprache beizubringen. Das Verständnis würde z. B. leiden, wenn man in den oberen Klassen den grammatischen Unterricht, wie Plötz es verlangt, aus- schlielslich in der fremden Sprache erteilen wollte. Aber durch die oben besprochene Einführung in das französische Lautsystem wird ein unschätzbarer Vorteil erreicht: Es ist eine gute Grundlage für den mündlichen Gebrauch der Sprache gelegt. Die einzelnen Laute sind dem Schüler nicht mehr fremd. Er wird also leichter und sicherer dahin gelangen einen Franzosen zu verstehen, als wenn er Schriftfranzösisch gelernt und falsche Laute zu sprechen sich angewöhnt hat.

Man darf allerdings nicht, wie Körting in seiner eben veröffentlichten, sonst sehr beachtens- werten Schrift:Gedanken und Bemerkungen über das Studium der neueren Sprachen auf den deutschen Hochschalen(S. 33) es thut, an der Möglichkeit verzweifelnin ganzen grolsen Provinzen, deren Dialekt mit scharf hervortretenden und kaum zu überwindenden Lauteigentümlichkeiten behaftet ist«, mehr als ausnahmsweise Persönlichkeiten zu treffen,welche physisch vermögend sind, sich eine korrekte französische, bezw. englische Aussprache anzueignen. Auf derselben Seite heiſst es weiter unten:Also muls man in die Thatsache sich finden, daſs ein groſser Teil der Schüler, wenn er Sprachfertigkeit sich erwerben sollte, die fremden Sprachen mehr oder weniger mangelhaft aussprechen wird. Das heiſst denn doch, Herr Körting möge es nicht verübeln die Flinte zu früh in's Korn werfen. Die Sprachfertigkeit, das gebe ich gerne zu, ist überflüssig und schadet oft der Gründlichkeit, obgleich, wie wir später sehen werden, auch das Sprechen in der Schule seinen Platz hat. Allein den zuerst angeführten Satz werden ihm wohl nicht viele unterschreiben. Ich behaupte, daſs es in allen Gegenden Deutschlands möglich ist, eine korrekte Aussprache der Jugend beizubringen. Gröſsere Klassen machen die Arbeit etwas schwerer, aber nicht unmöglich. Ich gebe auch gern zu, daſs dieses korrekte Französisch je nach der Provinz etwas plump herauskommt. Die Hauptsache bleibt die Richtigkeit der gesprochenen Laute. Aber darin hat Hr. Körting recht: die gegenwärtig herrschende Aussprache istmehr oder weniger mangelhaft, vielleicht sogar noch etwas mehr als das. Das liegt indes nicht an den Schülern, wohl aber an der Methode. Sobald allgemein an die Stelle der Ausspracheregeln eine wirkliche Lautlehre tritt und die neuen Laute mit Konsequenz eingeübt werden, dann muls es auf diesem Gebiete sich bessern.

Die bisherige Methode, die Aussprache zu lehren, hat zu einer groſsen Verwirrung der BegriffeLaut undBuchstabe geführt. So schreibt Plötz noch in der kurzgefaſsten Grammatik S. 41:Lautgesetz 5. s tritt nicht mehr als Endung an den Stamm, wenn derselbe mit s schlieſst. In der Schulgrammatik wird auch aus der Schreibung æ in Jje wauw ein Lautgesetz. Viel praktischer scheint es mir zu sein, wenn bei je vaur und les cherauæ darauf hingewiesen wird, dals der Laut in bestimmten Fällen schwindet, daſs im Pranzösischen überhaupt die Neigung ist, das!? verstummen zu lassen, was unser Jahrhundert am sogenannten 7 οιs hat beobachten können; die Aussprache i statt gehört ebenfalls dahin. Aber das æ in je vauæ ist doch eine blose Kuſserlichkeit und verdient nur als solche behandelt zu werden. Von den Laut- gesetzen wird neuerdings überhaupt zu viel Wesen gemacht. Während Plötz in seiner neuen kurzgefalsten Grammatik sich noch mit neun Lautgesetzen begnügt, werden in einer Programm-