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Wie sehr ist dieses Verfahren z. B. erforderlich bei einer gründlichen Behandlung der Con- secutio temporum!
Augenscheinlicher als in irgend einem anderen Theile der Sprachwissenschaft tritt das pragmatische Element im Lexikalischen hervor. Ohne mit den Zuständen des Volkes bekannt zu sein, versteht man die Litteratur desselben nicht. Ohne Kenntniss der Staats- verfassung, des Gerichtsverfahrens, des Religionszustandes, des Kriegs- und Finanzwesens, der Sitten und Gebräuche im Privatleben der Griechen und Römer, ihrer Kunst und Wis- senschaft ist ein verständiges Auffassen des Sprachgebrauches, eine Erklärung der Wörter und Redensarten nach significatio und sensus nicht denkbar. Niemand bezweifelt die Evidenz der Sache. Aber die Frage, ob man in den Gymnasial-Unterrichtsplan die sogenannten Alterthümer als besondere Disciplin aufzunehmen habe, ist noch nicht entschieden. Wohl die Meisten wollen die antiquarischen Kenntnisse bei der Interpretation der Schriftsteller gelehrt haben, und die Berücksichtigung derselben kann dabei nicht wegfallen. Eine pragma- tisch-rationale Behandlung solcher archäologischen Gegenstände lässt sich jedoch viel besser erréichen, wenn man in übersichtlicher Ordnung und als selbständige Aufgabe das Wich- tigere der Antiquitäten lehrt, als wenn man bei Gelegenheit dieser oder jener Stelle eines Classikers ausführliche Expositionen gibt, die im günstigen Falle dann eben so vereinzelt im Bewusstsein der Schüler stehen, wie sie vereinzelt gelehrt worden sind, gewöhnlich aber verloren gehen, weil sie blos an der fraglichen Stelle den jungen Leuten als nothwendig erschienen. Man lehrt die Special-Geschichte der Griechen und Römer auf den Gymnasien in besonderen Stunden. Wir halten den Unterricht in den Alterthitmern für eben so noth- wendig, und glauben, dass diejenigen irren, welche annehmen, dieser Unterricht werde durch jene special-geschichtlichen Vorträge entbehrlich. Dergleichen haben offenbar weniger das Linguistische im Auge, als das Thatsächliche selbst, und sind eben desshalb zur Ver- deutlichung der sprachlichen Tradition in geringerem Grade geeignet. Wir wollen damit keinesweges gesagt haben, dass die Antiquitäten den geschichtlichen Standpunct nicht überall zu nehmen hätten, wie solchen z. B. K. F. Hermann in seinem Lehrbuche der griechischen Staatsalterthümer(2 Aufl. Heidelberg, 1836) mit ausgezeichneter Umsicht und Gründlichkeit genommen hat; sondern wir meinen nur, dass der Vortrag derselben auf Gymnasien der Förderung der Sprachkenntniss hauptsächlich dienen misse. Das bewirkt er wie von selbst, wenn nur immer bei der Erzühlung des Faktischen das für dasselbe gebräuchliche Wort oder die formula sollemnis genannt wird. Und um so leichter ist die Auffassung und das Behalten des Sprachgebrauchs, in je lichtvollerem Zusammenhange des Ganzen man ihn be- greift. Was z. B. über die Aerrovgrlau˖, v6εμοι αάμφράeiονυιn, dimc Apiονux, drννννε Lepol œrecανπν αν, doνo ndoοο und olzérau und andere Gegenstände der realistischen, griechischen Alterthumswissenschaft gelehrt werden muss, gewinnt an Deutlichkeit und Klar- heit, sofern es in geordneter, pragmatischer Erzählung vorgetragen wird, und eben diess erleichtert das Verständniss der dabei in Betracht kommenden Phraseologie. Es ist einleuchtend,


