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kennen gelernt hat, dass auf einem anderen Gebiete der streng rationalen Wissenschaft, wir meinen das der Mathematik, dasselbe Auswendiglernen der Theoreme im Anfange Statt findet. Man will aber die Mathematik schon in den untersten Classen der Gymnasien wissenschaftlich betrieben haben, dagegen philosophische Begriffe, die der mathematische Unterricht theilweise voraussetzt, will man von den Gelehrtenschulen verbannen. Wir finden hierin eine Incon- sequenz moderner Pädagogen. Es gehört auf jeden Fall zur Maturität, deren richtigen Be- griff nur eine tüchtige Hodegetik zum akademischen Studium aufstellen kann, dass der Gymnasial-Abiturient Kenntnisse über Seelenvermögen und Seelenkräfte, über Begriff, Ur- theil, Schluss, Definition, Division, Wissenschaft, System, analytische und synthetische Methode, über allgemeine Gesetze der Sprache und Rede mitbringe, also in den Anfangs- gründen der Anthropologie, Logik und Glossologik unterrichtet worden sei. In Rücksicht auf Anthropologie wird der wenigste Widerspruch erhoben, zumal dann, wenn sie auch den pragmatisch-historischen Theil befasst, die Culturlehre. In Beziehung auf Logik geben wir gerne zu, dass eine Hegel'sche nicht gelehrt werden kann. Eine Aristotelische aber lässt sich sehr gut auf Gymnasien vortragen, bei der es jedoch nicht nöthig ist, alle möglichen syllogistischen Figuren zu behandeln. Was die Glossologik betrifft, so sind die Begriffe der Didaktile über dieselbe noch nicht im Klaren. Die meisten werden die Berücksichtigung derselben im positiven Sprachunterricht verlangen. So will man Rhetorik gelehrt haben; versteht aber nicht die allgemeine, sondern eine positive, nämlich die des Deutschen, deren Berechtigung wir durchaus nicht streitig machen, die aber um so leichter und besser sein wird, wenn sie mit philosophischer Propädeutik überhaupt, namentlich mit Glossologik in Verbindung kommt. Dass wir die Glossologik und zwar als einen Theil der philosophi- schen Propädeutik in den Kreis der Gymnasial-Disciplinen setzen, dafür sprechen triftige Gründe. Sie wird offenbar mit demselben Rechte zu den dialektisch-philosophischen Wis- senschaften oder zur Formalphilosophie gerechnet, mit welchem die Logik dazu gehört. Sie trägt wesentlich bei zu derjenigen formalen Bildung, die das Gymnasium erstreben soll; sie gibt den grammatisch-rhetorischen positiven Kenntnissen Zusammenhang und Ubersicht; sie ist für Viele der Hauptgewinn, den das gesammte Sprachstudium für sie hat, indem sie für die Bildung des Stils die allgemeinen Begriffe liefert, die in jeder besonderen Sprache ihre Anwendung finden, namentlich für einen geschickten Gebrauch der Muttersprache den grössten Nutzen hat. Ein Blick auf die Erscheinungen der Litteratur in unseren Tagen, die in vielen Beziehungen als ein buntes Gemisch und ohne den gehörigen Formsinn anftritt, beweis’t hinlänglich die Nothwendigkeit des rhetorischen Studiums, und wir stimmen den Ansichten bei, welche Rosenkranz in der Vorrede zur vierten Ausgabe von Maass Grundriss der Rhetorik auseinandersetzt. Was sodann noch gegen den Unterricht in philosophischer Propädeutik vorgebracht worden ist, dass junge Leute, welche denselben auf Gymnasien gehabt hätten, das Studium der Philosophie auf der Universität vernachläs- sigten; so vermögen wir das Schlagende dieser Bemerkung nicht einzusehen. Der Grund


