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Bedeutung entscheidenden Sylbe oder des für den Sinn vorzüglichen Wortes eines Satzes mittels des Tons setzt die Thätigkeit der Einbildungskraft besonders in Bewegung. Dasselbe thun die Pausen, seien sie grammatisch oder rhetorisch. Die Cantillation und Recitation, die bei alten Völkern im Gebrauch war, und sich auch noch in manchen Gebirgs- Gegenden Deutschland's findet, z. B. auf dem Thüringer Wald, ist ein Mittel für die Reproduction des Bezeichneten. Sie mag die Grundlage des Numerösen und des Metrischen überhaupt sein. Der gesangartige Vortrag schloss sich von selbst an den Accent an und enthält in sich die Elemente des Rhythmus. Das Metrum der dichterischen Productionen, die Alliteration und der Reim der Verse, der Parallelismus der Glieder, der sich in den orientalen Gedichten findet, und andere Gegenstände, welche die philologische und philosophische Poetik namhaft macht, erweisen alle den Einfluss des freien Bildens.
Doch wir können bei diesen Betrachtungen nicht länger verweilen. Die Frage, ob die Glossologik auf Gymnasien, versteht sich in der obersten Classe derselben, gelehrt wer- den solle, kann mit der gleichgestellt werden, ob überhaupt eine philosophische Propädeutik zu den Gegenständen des Gymnasial-Unterrichts zu rechnen sei. Es herrscht in diesem Puncte noch immer kein übereinstimmendes Urtheil der Pädagogen und Didaktiker. Neu- erlich hat Deinhardt dafür geschrieben, Mager dagegen. Wir können uns nur für diesen Unterricht aussprechen und befolgen dabei Erfahrungen, die wir in einer ganzen Reihe von Jahren gemacht haben. Die Gründe, welche die gegentheilige Ansicht vorbringt, gehen aus von Rücksichten auf die Methode des philosophischen Studiums und auf den Universitäts- Zweck. Man sagt, Gymnasial-Schüler dürften und könnten in den Anfangsgründen der Philosophie nicht unterrichtet werden, weil dieselben nicht reif wären zu philosophiren. Dagegen lässt man sich's gefallen, dass die Studiosi sofort im ersten Seanester ihrer akade- mischen Laufbahn mit Philosophie anfangen, namentlich ein collegium logicum hören. Wir möchten in der That die Studenten kennen, die, sobald sie in das Album der Universität eingetragen sind, die nöthige Reife haben zum Philosophiren. Es müsste eine curiose Me- tamorphose mit unseren Gymnasial-Abiturienten vorgehen, wenn sie zwar in einem der letzten Semester ihrer Anwesenheit in Prima oder auch im letzten nicht fähig wären, die auf zweckmässige Weise und in verständlicher Sprache vorgetragene Propädeutik der Philo- sophie zu fassen, zumal der Gymnasiallehrer Repetitorien und Examlnatorien damit verbindet, dagegen beim Beginn ihres akademischen Cursus, vielleicht durch die Veränderung der Luft, sofort zum Verständniss derselben geführt würden. Man behauptet, Gymnasial-Schüler würden die philosophischen Lehrsätze und Formeln blos auswendig lernen. Wir meinen, Studenten thun dasselbe. Denn die ächte philosophische Speculation kann auch ihre Sache noch nicht sein, und ausserdem muss jeder Anfänger in einer Wissenschaft fordersamst Vieles lernen, ehe er selbstthätig verfahren kann. Und müssen nicht die termini der Philo- phen, deren Kenntniss die akademischen Lehrer oft ungebührlicher Weise voraussetzen, wirklich erlernt werden? Man weiss aus Erfahrung, wenn man das Unterrichtswesen praktisch


