Aufsatz 
Über den linguistischen Rationalismus mit Rücksicht auf die Zwecke des Gymnasial-Unterrichts / Fuldner
Entstehung
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Dingen parabolisch, tropologisch u. s. w. war, was zur Bildung des Mythos nicht wenig beitrug. Modus transferendi verbi late patet, quem necessitas genuit inopia coacta et an- gustiis; post autem delectatio jucunditasque celebravit. Cic. de orat. III, 38, Es war na- türlich, dass der Verlauf der Zeit die ursprüngliche, sinnliche Bedeutung solcher vocabula translata ganz aus dem Bewusstsein fallen liess, und dass der Bilder-Reichthum zum Schmuck der Sprache dienen musste, wiewohl er aus Armuth entstanden ist. Die Betrachtung der Natur-Gegenstände lieferte einen grossen Schatz von Bildern; Licht, Feuer, Wasser u. s. w. konnten als Symbole gesetzt werden. Ging man vom Menschen aus, so bot sein Organismus eine Reihe anthropomorphistischer und anthropopathischer Ausdrücke dar zur Bezeichnung des Göttlichen. Die Beschäftigung und Lebensart lieferte bildliche Redensarten. Einen grossen Vorrath gewährte der Ackerbau, die Kriegsführung. Das Hirtenleben gab Bilder für Fürst und Volk, Lehrer und Schiler. Bezeichnungen körperlicher Zustände, Gesundheit, Krankheit, konnten auf den Geist übertragen werden. Hat sich hier micht die Einbildungs- kraft vorzüglich thätig bewiesen? Und schafft sie nicht täglich neue Bilder, die zur Schön- heit der Sprache gereichen?

Diese Bemerkungen über die Bildersprache haben uns in den zweiten Theil der Glos- sologik versetzt, die philosophische Rhetorik, die als Lehre von der Rede aus dem Gesetze der stilistischen Form Beides abzuleiten hat, die stilistische Richtigkeit, welche eine logische, grammatische und lexikalische ist, und die stilistische Schönheit, zu welcher Würde, An- schaulichkeit, Lebhaftigkeit, Wohllaut u. s. w. gehören. Sie muss dann die Gattungen und Arten des Stils näüher ins Auge fassen, und auch eine Lehre von der Declamation aufstellen, in welcher das musikalische Element der Sprache besonders in Betracht kommt. Das Fach- werk dieser allgemeinen Rhetorik wird für jede positive Rhetorik eben so passend sein, Wie zeigt sich auf diesem Gebiete die Wirlsamhkeit der Einbildungskraft? Ist nicht Alles, was zur Schönheit der Rede gerechnet wird, am Ende ihr Product? Am meisten offenbart sie sich in der Betrachtung der verschiedenen Figuren und Tropen, die man zu verzeichnen pflegt. Diejenigen, welche eine Eintheilung dieser Figuren versucht haben nach einem fundamentum dividendi, das den psychologischen Zweck derselben vor Augen hatte, haben mit vollem Rechte eine bedeutende Reihe zusammengeordnet unter der Rubrik:Figuren für die Phantasie, und haben dahin die Epanorthosis und Aposiopesis, die Allusion und Pe- riphrasis, die Congruenz und Harmonie, die Prosopopöie, Metonymie und Synecdoche ge- zählt. Aber auch andere Figuren, die man unter verschiedenen Titeln aufführte, namentlich Alliteration und Gradation, Antitheton und Paradoxon, Ironie und Hyperbel u. s. w. fallen in das Gebiet der Einbildungskraft. Dieselbe erscheint uns besonders thätig bei der Decla- mation, am auffallendsten bei der charakterisirenden und personificirenden. Sehen wir auf die Mittel der linguistischen, richtige Pronuntiation, Accentuation und Pausen-Anwendung, sie gehören mehr oder weniger ihr an. Durch das Orthoepische, welches den Gehörsinn ange-

nehm afficirt, wird das rechte Bild im Geiste erzeugt, und die Hervorhebung der für die T