Aufsatz 
Über den linguistischen Rationalismus mit Rücksicht auf die Zwecke des Gymnasial-Unterrichts / Fuldner
Entstehung
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es konnten auch zwei Wurzeln componirt werden. Dass das volle Leben der Sprache mehr die Flexion und Agglutination fördert, ist geschichtlich gewiss. Das Vorwalten der Com- position deutet auf eine Rraftlosigkeit des Sprachgenius. Interessant ist die Pronominal- Bildung. Sie geht von mimischer Grundlage aus. Eben so die Bezeichnung des Geschlechts, bei welcher die Wirksamkeit der Einbildungskraft besonders hervortritt. Denn der allge- meine Grundsatz, den hier die Sprachbildung verfolgt, das Physische Genus nach einer eigen- ahümlichen, mit unter ganz nationalen und selbst auf religiösen und rituellen Beziehungen beruhenden Vergleichung auf nicht geschlechtlich distinguirte Dinge anzuwenden, ist eine Folge des freien Bildens, also eines mehr willkührlichen Verfahrens. Dasselbe zeigt sich auch in der Casusbildung, die bald durch Flexion, bald durch präpositionelle Bestimmung erfolgt, in dem Vorhandensein oder Nichtvorhandensein des Duals u. s. w. Dass die Fort- entwickelung der Sprache grosse Erleichterung fand, nachdem man die Buchstabenschrift gewonnen hatte, bedarf keines Beweises.

Die Zusammenfügung der Wortlaute zum Ausdruck des Gedankens war innerlich be- dingt d. h. durch die Gesetze des Denkens gegeben. Ist doch der Satz nichts Anderes als die sprachliche Darstellung des Urtheils, folglich von der Form desselben abhängig. Kusserlich musste die Zusammenhörigkeit der Zeichen durch den Grundsatz der Übereinstimmung der Formen angedeutet werden. Es ist das Gesetz der Congruenz, das aller Syntax zum Grunde liegt. Dadurch, dass die Wortformen congruent sind in allen den Dingen, in welchen sie veränderlich und verschieden bestimmbar erscheinen, werden sie zusammen gehalten und machen in solchem Bande ein Ganzes aus. Im Subordinations-Verhältnisse tritt ausserdem das Princip der Rection ein. Wiewohl nun die Sprachbildung in dieser Beziehung von logisch nothwendigen Gesetzen ausgeht, also einen bestimmten Typus überall erheischt, so lehrt doch die Discrepanz der syntaktischen Normen in verschiedenen Sprachen, dass Uber- einkommen und Gewohnheit auch hier bedeutenden Einfluss ausserit; also die Schematologik der Einbildungskraft nicht zu verkennen ist.

In lexikalischer Beziehung liegt die Wirksamkeit des freien Bildens am Tage. Sollten neue Begriffe bezeichnet werden, so musste man entweder ein absolut neues Zeichen erfinden, oder aus dem schon vorhandenen Vorrath an Wörtern ein relativ-neues bilden. Man konnte aber auch mit der fremden Sache das fremde Wort annehmen und sich dasselbe nach Organ und Dialekt zu eigenem Gebrauche anbequemen. Begreiflich enthalten die Sprachformen zugleich eine Nachweisung culturhistorischer Momente, die ein überspannter Purismus nicht verdrängen wird. Man konnte ein bekanntes Zeichen auf einen neuen Begriff übertragen, also die Bedeutung des Wortes, die von seiner Etymologie und Formation abhängig ist, in einen besondern Sinn übergehen lassen. Das ist denn der Ursprung der sogenannten Bilder- sprache. Ideen vom Ubersinnlichen und Göttlichen konnten anfangs nur so bezeichnet wer- den, dass man die Zeichen sinnlicher Gegenstände auf jene transferirte, also eine allegorisch- symbolische Sprache für sie erfand. Daher auch die Lehrart des Alterthums in solchen

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