die genannten heiligen Vernunftwahrheiten ungewiß, alſo auch das Dafein Gottes, das doch ſelbſt nach dem Geſtaͤndniß der Theologen beim Glauben an eine Offenbarung als gewiß vorausgeſetzt werden muß. Es iſt dann ungewiß der Glaube an eine Offenbarung. Es iſt ungewiß die Erkenntniß der Gottes⸗ wuͤrdigkeit einer Offenbarung. Es iſt ungewiß, daß die Lehren der Offenba⸗ rung fuͤr die Menſchen verbindlich ſind. Es gibt kein Mittel, eine wahre Of⸗ fenbarung von einer vorgeblichen zu unterſcheiden. Kurz alles, was dem Men⸗ ſchen theuer und heilig iſt, ſinkt dann in bodenloſen Zweifel. Dieſe ſchreckli⸗ chen Folgen werden nun zwar gewiß nicht eintreffen, weil alle verſtaͤndige Menſchen uͤberzeugt ſind, daß ſie ein Vermoͤgen beſitzen, Wahrheit mit feſter Gewißheit zu erkennen. Ich wollte nur zeigen, wohin die ſinnloſe, moͤnchiſche, alles Menſchliche und Goͤttliche untergrabende Behauptung, die Vernunft koͤnne irren, fuͤhre. Wer das behauptet, iſt ein Atheiſt, ein Materialiſt, ein Indiffe⸗ rentiſt.
III. Die geoffenbarte Religion und die allgemeine ſt i m⸗ men dem Weſen nach überein.
Betrachtet man nun die geoffenbarte Religion und die allgemeine genauer, ſo ergibt ſich mit voller Gewißheit, daß dieſelben ihrem Weſen nach uͤberein⸗ ſtimmen muͤſſen; ich ſage: ihrem Weſen nach, da die geoffenbarte Religion noch viele Lehren enthaͤlt, welche die Vernunft nicht aus ſich zu ſchoͤpfen ver⸗ mag. Denn die geoffenbarten Religionswahrheiten ſtammen unmittelbar von Gott, und die vernunftentſproſſenen aus dem in den menſchlichen Geiſt geſenk— ten Funken der Gottheit, beide ſind wahr und heilig. Sind daher die Lehren der Vernunftreligion wirklich aus der Vernunft entſproſſen, und nicht durch den Verſtand aus der Erfahrung geſchoͤpft, und irrig fuͤr Vernunftwahrheiten ausgegeben; ſo muͤſſen dieſelben mit den geoffenbarten Religionslehren uͤberein⸗ ſtimmen. Sollten wirkliche Vernunftwahrheiten mit geoffenbarten nicht uͤber⸗


