Aufsatz 
Versuch, die geoffenbarte Religion und die allgemeine gehörig zu würdigen, und die widerstreitenden Ansichten darüber zu vereinigen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Seitdem ſich nun die allgemeine Religion ausgebildet hat, ſind viele ſchaͤtz⸗ bare Werke daruͤber erſchienen, unter Andern: von Clodius, Bouterweck, Eſchenmayer, Fries, Gerlach, Kant, Klein, Krug, Planck, Salat, Snell, Suabediſſen, Weiſe, de Wette. So verſchieden dieſelben nun auch dem In⸗ halte, der Entwickelung, der Begruͤndung und Darſtellung nach ſind; ſo wird doch das Weſen derſelben allgemein in folgende Lehre geſetzt:

1. Es iſt ein heiliger, allgerechter, allguͤtiger, allwiſſender, allmaͤchtiger, allweiſer Schoͤpfer des Weltalls und Vater der Menſchen, der Alles zu ihrem Beſten lenkt, ſo unbegreiflich und ſchmerzlich es ihnen oft ſcheint.

2. Die Seele des Menſchen iſt frei und unſterblich.

3. Es gibt ein unwandelbares, von der Natur unabhaͤngiges, heiliges, fuͤr alle Menſchen verbindliches Geſetz im Herzen des Menſchen fuͤr Geſinnung und That, in deſſen ſtrenger Befolgung die ewig⸗ſchoͤne Tugend beſteht, die wahre Vexrehrung der Gottheit, und der erhabene Endzweck der Menſchen.

Dieſe hoͤchſten Lehren der Vernunftreligion machen das Weſen aller Re⸗ ligionen aus, die allgemeine Achtung verdienen. Sie heißen auch ſchlechtweg die heiligen Wahrheiten, ſind das groͤßte Heiligthum der Menſchheit, und ewi⸗ ger Achtung, Liebe und Beherzigung wuͤrdig. Es gibt noch immer einige mit dem Weſen des Menſchen und der Vernunft unbekannte Theologen, welche das Daſein der Vernunftreligion mit verroſteten Waffen aus den Ruͤſtkammern alter Moͤnchtheologien beſtreiten, waͤhrend alle vielſeitige Gelehrte feſt und ein⸗ ſtimmig behaupten, nicht nur daß es eine allgemeine Religion gebe, ſondern daß dieſelbe auch den Boden fuͤr jede geoffenbarte Religion bilde, und daß es ohne Vernunftreligion gar keine Religion geben koͤnne.»Die groͤßten Philo⸗ ſophen und Theologen aller Zeiten ſind bei der Begruͤndung der Religion im⸗ mer vom Glauben an Gott als einer Thatſache des Bewußtſeins ausgegan⸗ gen, und haben ihr dieſelbe vernuͤnftige Nothwendigkeit zugeſchrieben, mit der ſie das Eine und Unendliche zuſammenfaßten.« von Ammon im a. W.»Gott