— 4—
nicht ſelten verwerfend: ſprechen einſeitige, mit der Vernunft und dem Weſen des Menſchen unbekannte, Theologen der Vernunft alle Faͤhigkeit zur Gruͤn⸗ dung der Religion ab, die Offenbarung als einzige Quelle derſelben betrach⸗ tend, ohne zu bedenken, daß wir erſt durch Vernunft das Daſein Gottes er⸗ kannt haben muͤſſen, ehe von einer Offenbarung deſſelben die Rede ſein kann, wie Ancillon Fr. in dem Werke, vom Glauben und Wiſſen in der Philoſophie, Berlin 1823, richtig und ſchoͤn bemerkt hat. Daß nun dieſe widerſtreitenden Anſichten beſchraͤnkter Philoſophen und Theologen das Anſehen der Religion ſehr vermindern, und den beſeligenden Einfluß derſelben auf die ſchoͤne Ge⸗ ſtaltung des Lebens ungemein ſchwaͤchen, bedarf wohl keines weitern Beweiſes. Eben ſo feſt und unwiderlegbar iſt aber auch wohl die Behauptung, daß es ohne Religion keine Tugend und keine Heiligkeit der Pflicht und des Rechts gebe, und ohne dieſe keine Wohlfahrt fuͤr Einzelne, Familien und Staaten.— Dieſe zwei wichtige Betrachtungen bewogen mich nun zu einem Verſuche, die geoffenbarte Religion und die allgemeine gehoͤrig zu wuͤrdigen, und die wider⸗ ſtreitenden Anſichten daruͤber zu vereinigen, um dadurch das Anſehen der Re⸗ ligion zu ſchuͤtzen, und zu erhoͤhen, und um ihren begluͤckenden Einfluß auf die Veredlung und Verſchoͤnerung des Lebens nach Kraͤften zu foͤrdern.
Zu dem Ende will ich zu zeigen verſuchen: daß es eine geoffenbarte Re⸗ ligion und eine allgemeine gebe, und daß beide ihrem Weſen nach uͤbereinſtim— men; welcher von beiden Religionen der Vorzug gebuͤhre; und worin der ei⸗ gene Werth der allgemeinen Religion beſtehe. Sine ira et studio, quorum
causas procul habeo.
I. Es gibt eine geoffenbarte Religion.
Es iſt wohl eine unwiderlegbare Wahrheit, daß das Daſein geoffenbarter Religionen aus der Geſchichte bewieſen werden muß. So laut und uͤberzeu— gend dieſe nun auch das Daſein geoffenbarter Religionen, beſonders der Mo⸗


