Verſuch, die geoffenbarte Religion und die allgemeine gehoͤrig zu wuͤrdigen, und die widerſtreitenden Anſichten daruͤber zu vereinigen.
Dae Religion betrifft das Verhaͤltniß des Menſchen zum ewigen Sein, und iſt entweder Sache der Ueberzeugung und objektiv, oder Sache des Herzens und ſubjektiv. Auch verſteht man unter Religion im objektiven Sinne den Inbegriff der Lehren, welche das Verhaͤltniß des Menſchen zum ewigen Sein betreffen. Sind nun dieſe Lehren aus der Vernunft des Menſchen geſchoͤpft, ſo heißen ſie vernunftentſproſſen, oder allgemein: ſind ſie aber von Außen in den menſchlichen Geiſt gekommen, ſo heißen ſie poſitiv oder geoffenbart. Dar⸗ nach wird dann die Religion im objektiven Sinne auch in die allgemeine oder Vernunftreligion, und in die poſitive oder geoffenbarte getheilt. Die Anſichten uͤber dieſe beiden Religionen ſind nun ſehr verſchieden. Sowohl Philoſophen als Theologen, welche beide Religionen gruͤndlich kennen, behaupten einſtimmig und feſt, daß beide Religionen in ihrem Weſen uͤbereinſtimmen; daß ſich beide einander ergaͤnzen, und daß ſie erſt innig verbunden, ſich zur zweifelfreien, un— widerlegbaren, maͤchtigen und heiligen Fuͤhrerin der Menſchheit geſtalten. Ein⸗ ſeitige Philoſophen und Theologen aber beſtreiten nicht nur dieſe Behauptung, ſondern auch ihre Anſichten einander. Denn waͤhrend Philoſophen, die mit den Beduͤrfniſſen des Lebens und mit der Offenbarung unbekannt ſind, nur die Ausſpruͤche der Vernunft allein gelten laſſen, alles Poſitive verachtend und


